Udaipur

Du bist ein Mann, was also sollen sie von dir wollen, ausser dir etwas zu verkaufen?

(Raj, Inder aus Udaipur zum Thema Freundschaft zwischen Westlern und Indern)

Udaipur - Brücke zum Nordufer

Udaipur – Brücke zum Nordufer

Meine Tage in Udaipur, meiner ersten Station in Rajasthan, liegen hinter mir. Sie waren ausgesprochen widersprüchlich. Mittlerweile bin ich in einem kleineren Städtchen namens Bundi angelangt.
Getreulich meiner Devise will ich versuchen, auch diese Erlebnisse so zu schildern, wie sie mir widerfahren sind.
Nach einer 17-stündigen Fahrt mit dem Nachtzug kam ich Donnerstag Morgen in Udaipur an. Die Länge der Fahrt erwies sich als unproblematisch, da die indischen Züge sogenannte Sleeper-Abteile haben, das heißt, jeder Reisende hat eine Liege für sich. Mein Fehler war allerdings, die Klasse 3 A.C. zu buchen – A.C. steht nämlich für Klimaanlage. Ich hätte es besser wissen können. Meine Tage in Udaipur verbrachte ich also mit einer Erkältung.
War Mumbai chaotisch, empfand ich Udaipur als nicht weniger anstrengend. Es ist zwar wesentlich kleiner als Mumbai, dafür allerdings umso touristischer. Als ich ankam, balgten sich schreiende Rikscha-Fahrer darum, mich in den Stadtkern zu bringen.

Der Fahrer, den ich letztlich wählte, brachte mich zum Lake-Shore-Hotel. Direkt am Seeufer gelegen, allerdings auf der Nordseite, die durch eine Brücke vom eigentlichen Zentrum geschieden war, hatte ich mit dem Hotel großes Glück. Die Aussicht auf den See war wunderbar. Ich hatte ein großes Zimmer und ein Bad für mich allein. Zudem war es für indische Verhältnisse ruhig.

Udaipur - Aussicht aus meinem Zimmer im Lake Shore Hotel

Udaipur – Aussicht aus meinem Zimmer im Lake Shore Hotel

Nachdem ich nach meiner Ankunft eine Weile auf der Restaurant-Terrasse des Hotels entspannt hatte, machte ich mich auf, die Stadt zu erkunden. Ich begann mit der Nordseite. Nach einer Weile lächelte mich ein kleiner Junge an und fragte, ob ich sein Haus sehen wollte. Da ich, bei Kindern allemal, noch immer große Probleme mit den Neinsagen hatte, folgte ich seiner Aufforderung. Im Haus, mehr einer Hütte, saß sein Vater, Mohammed, ein schnauzbärtiger Mittdreißiger mit leicht finsterem Gesichtsausdruck. Er bot mir einen Chai an und schickte Baya, den ich draußen kennen gelernt hatte, los, uns welchen zu holen. Mohammed hat sieben Kinder – sechs Mädchen und einen Jungen. Sie alle schliefen, gemeinsam mit ihren Eltern, auf dem Boden des 10 Quadratmeter großen Zimmers. Die beiden Mädchen, die im Zimmer waren, funkelten mich aus ihren großen Kulleraugen an. Beide hatten einen Husten, der mich an das Keuchen kleiner Kätzchen erinnerte.

Zwei von Mohammeds Mädchen

Zwei von Mohammeds Mädchen

Das Leben sei schwer, sagte Mohammed. Ich glaubte ihm. Wir tranken Chai und er beklagte sich über sein Schicksal. Die Art, wie er seine Kinder herumscheuchte, zeigte mir, dass ich einem klassisch patriarchalischen Haushalt gelandet war.

Mohammed

Mohammed

Mohammed fragte mich, ob er mich am nächsten Tag zu einigen außerhalb der Stadt gelegenen Märkten fahren dürfe. Ich hatte zwar nicht vor, etwas zu kaufen, was ich auch äußerte, die Vorstellung über chaotische indische Märkte zu laufen aber gefiel mir. Also sagte ich zu.

Ich verabschiedete mich, um meinen Weg fortzusetzen.
Kaum, dass ich zehn Meter weit gekommen war, hielt mich Raj an. Er saß in einer Riksha und meinte: „Setz dich, ich habe seit Stunden mit niemandem geredet.“
Warum nicht, dachte ich und setzte mich. Sein Englisch war um Welten besser als das von Mohammed. Er wirkte wie der Typ mediterraner Macho: sonnenbebrillt, langes schwarzes Haar, strahlendes Lächeln. Wir unterhielten uns also eine Weile, bevor ich weiterzog. Er könne mich zu ein paar schönen Orten außerhalb der Stadt fahren, meinte Raj. Vielleicht übermorgen, meinte ich, da ich ja tags darauf mit Mohammed verabredet war.
Nach unserem Gespräch überquerte ich die Brücke und befand mich im Touristenmoloch. Der größte Nachteil des Alleinreisens ist, dass sämtliche Touri-Jäger mich als Freiwild ansehen. Ich kann keinen Schritt gehen, ohne angesprochen zu werden.
„Come see my shop, Sir!“
Das große Problem ist, dass die Inder nach all den Jahren noch immer nicht gelernt haben, zwischen Rucksack-Reisenden mit knappem Budget und reichen amerikanischen Mittelklasse-Ladys zu unterscheiden.

Udaipur - Kinder am Seeufer

Udaipur – Kinder am Seeufer

Udaipur - Baba am Chai-Stand

Udaipur – Baba am Chai-Stand

Udaipur - Sonnenuntergang, Blick aufs Nordufer

Udaipur – Sonnenuntergang, Blick aufs Nordufer

Udaipur - Abendstimmung am See

Udaipur – Abendstimmung am See

Udaipur ist bunt, aber rein auf Tourismus ausgerichtet. Das wurde mir schnell zu anstrengend. Ich suchte eine Apotheke auf und kaufte Medikamente gegen Husten für Mohammeds Kinder.
Am Abend brachte ich sie in seiner Hütte vorbei. Diesmal war die ganze Familie versammelt und ich stellte mich der nicht unbeträchtlichen Schwierigkeit, die Namen von sieben Kindern und Mohammeds Ehefrau zu lernen. Mohammed lud mich ein, tags drauf zum Mittagessen zu kommen, bevor wir zu den Märkten führen. Natürlich nahm ich an.
Zwölf Uhr tags darauf kam ich erneut in Mohammeds Hütte. Shamsha, seine Frau, hatte Hühnchen zubereitet. Mohammed und ich aßen, der Rest der Familie wurde verbannt.
Vor mir stand eine große Portion Hühnchen, dazu Roti, das klassische indische Brot. Zum Glück hatte ich mittlerweile ein wenig gelernt, mit den Händen zu essen. Mir war nie klar, wie tief unsere Prägung sitzt, Messer und Gabel zu benutzen.
Hinzu kam, dass ich nicht wusste, was sich schickte. Sollte ich all das aufessen? Wäre es unhöflich, nicht aufzuessen? Oder wären meine Überbleibsel die Mahlzeit der Familie?
Es gab keine Antwort auf diese Fragen. Ich konnte sie nicht stellen.
Ich entschied mich für einen Mittelweg und ließ ein wenig übrig.
Als ich sah, dass sich danach die übrigen Familienmitglieder um den Rest scharten, zog es mir das Herz zusammen.
Nach dem Essen drängte Mohammed zum Aufbruch. Wir fuhren in seiner Riksha (die Rikshas in Udaipur sind eigentlich Tuk-Tuks) aus der Stadt.
Ich konnte nicht vorhersehen, was mich erwartete. Anstatt zu einem Markt zu fahren, wie versprochen, hielt Mohammed vor einem Laden. Als ich ihn an seiner Seite betrat, wusste ich, dass etwas schrecklich schief lief. Mehrere aufgeregte Verkäufer stürzten mir entgegen, um mich herumzuführen. Es handelte sich um ein Luxus-Stoffgeschäft. Mir wurden verschiedene Pashmina-Schals gezeigt – in einer Preislage von 20 bis 200 Euro. Einziges Problem: ich wollte keinen Pashmina-Schal in einer Preisklasse, die mein Budget derart sprengte. Ich wollte überhaupt keinen Pashmina-Schal, sei er auch ausschließlich aus Kinnhaaren der entsprechenden Ziege gefertigt. Geschweige denn einen 500 Euro teuren maßgeschneiderten Anzug. Vielen Dank. Aber danke nein.
Mohammed vermochte seine Enttäuschung kaum zu verhehlen, als wir den Laden verließen und ich nichts gekauft hatte.
„We go another market“, meinte er.
Ich seufzte innerlich.
Wenig später betraten wir einen überteuerten Schmuckladen. Glücklicherweise kann ich stur wie ein Esel sein, wenn es darum geht, mir 150 Euro teure Armreifen aufschwatzen zu lassen.
Mohammeds länger werdende Miene machte mich wütend. Als wir wieder draußen waren, erklärte ich ihm, dass ich keine reiche amerikanische Pauschaltouristin sei. Er möge mich bitte nach Udaipur zurückbringen. Ich erntete Unverständnis, doch er beugte sich.
Als wir in der Stadt ankamen, tranken wir den obligatorischen Chai – ich wollte auch nicht unhöflich sein – ehe ich ihn fragte, wie viel ich ihm schuldig sei. Er meinte vierzig Dollar seien okay. Ich brach ihn schallendes Gelächter aus und gab ihm 300 Rupees. 500 könnten es schon sein, entgegnete er. Ich legte noch 100 drauf und stieg aus. Ich fühlte mich verarscht, weil ich wusste, dass er mich abzockte. Er hatte mich zu Läden gebracht, wo er Provision bekommen hätte, hätte ich etwas gekauft, die ich noch dazu nicht sehen wollte – zudem unter dem Vorwand, mir Märkte zeigen zu wollen. Die Fahrt an sich war höchstens 100 Rupees wert gewesen. Klar hatte er mich zum Essen eingeladen, nichtsdestoweniger kam ich mir vor wie ein Milchkuh, die er zu melken gedachte.
Der Rest des Tages war mir vergällt. Zum einen, weil ich meiner Intuition nicht getraut hatte – Mohammed war mir mit seiner wehleidigen Art von Anfang an nicht sympathisch gewesen, ich mochte nur seine Kinder –, zum anderen, weil ich versucht hatte, ihm zu helfen, indem ich Medikamente für seine kranken Töchter besorgt hatte und es mich verletzte, dass er versuchte, mich derart schamlos übers Ohr zu hauen.
Den Rest des Tages zog ich mich in mein Zimmer zurück. Abends ging ich mir den Sonnenuntergang am Seeufer ansehen – nicht, ohne dass mich ein Mann zu sich nach Hause einladen wollte, um mir seine Kunst zu zeigen (in Udaipur ist jeder Mensch Maler und Künstler). Ich lehnte dankend ab. Es ist unmöglich in dieser Stadt fünf Minuten irgendwo ungestört zu sitzen.
Auf dem Nachhauseweg traf ich Raj. Er saß in seiner Riksha und lud mich ein, mich zu setzen. Ich erzählte ihm von meinem Erlebnis und er runzelte die Stirn. Ich freute mich, ihn zu sehen, weil er mir sympathisch war. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag, um aufs Land zu fahren. Er sagte mir vorher, was er dafür haben wolle (500 Rps.) und meinte, Ehrlichkeit sei ihm wichtig.
Am nächsten Morgen erwachte ich noch immer verstimmt, eine Art emotionaler Kater. Dennoch sagte ich mir, wenn ich über meine Enttäuschung hinwegkommen wolle, müsse ich wieder Vertrauen investieren. Ich suchte Rajs Kunstgalerie auf, er aber war nicht da. Also ging ich zunächst etwas essen (nein, ich wollte keine Gewürze kaufen, aber vielen Dank für das Angebot).
Als ich mich abermals auf den Weg zu seiner Galerie machte, traf ich Raj auf dem Weg. Er war mit einer seiner Lieblingsbeschäftigungen zugange – dem Gespräch mit Frauen. Wir tranken einen Chai und er zeigte einer Israelin seine Galerie. Er ist Miniaturmaler und seine Motive beschränken sich hauptsächlich auf Vögel. Ausgesprochen professionell, aber nicht wirklich mein Ding.
Als sich die Israelin verabschiedet hatte, machten wir uns gemeinsam mit Damsa, einem Freund von Raj, auf den Weg. Zunächst fuhren wir nach Shilpgram. Shilpgram ist ein wiederaufgebautes Dorf, das die traditionelle ländliche Lebensart der Inder widerspiegelt.

Shilpgram

Shilpgram

Wandgemälde im Tempel, Shilpgram

Wandgemälde im Tempel, Shilpgram

Als wir am Ende einen Chai tranken, hörten wir, dass zwei Mädels zum Tiger Lake wollten, was auch unser Ziel war, also boten wir ihnen an, mit uns zu kommen. Ohnehin machte Raj mir ständig Vorschläge, was meine Suche nach einer Freundin anging – ich klärte ihn nicht darüber auf, dass ich mich nicht auf der Suche nach einer eben solchen befand – insofern freute es ihn, dass plötzlich die beiden Israelinnen mit uns in der Riksha saßen. Ohnehin scheint die Suche nach West-Frauen der Hauptinhalt seines Lebens zu sein. Sex sein liebstes Gesprächsthema.

Raj und Elyseo

Raj und Elyseo

Fünf Mann hoch schnaufte unsere Riksha den Berg zum Tiger Lake hinauf – Durchschnittsgeschwindigkeit fünf km/h. Bisweilen stieg Raj aus, um ein wenig nachzuhelfen. Aber es lohnte sich. Oben angekommen erwartete uns ein wunderbarer Anblick: ein Bergsee mit einigen weißen Bauwerken daneben. Entspannte Abendstimmung. Wir saßen bestimmt anderthalb Stunden dort und genossen die Stille. Denn auch das gibt es in Indien: Stille.

Tiger Lake, Udaipur

Tiger Lake, Udaipur

Tiger Lake, Udaipur

Tiger Lake, Udaipur

Tiger Lake, Raj und Damsa im Abendlicht

Tiger Lake, Raj und Damsa im Abendlicht

Tiger Lake, Udaipur

Tiger Lake, Udaipur

Danach fuhren wir zurück nach Udaipur. Die Mädels aßen an einem Straßenstand – daneben höllischer Verkehr wie überall, in der Mitte zwei Kühe und ein Elefant im Licht der untergehenden Sonne.

Udaipur, Kühe und Elefant im Abendlicht

Udaipur, Kühe und Elefant im Abendlicht

Am folgenden Tag fuhr ich mit Raj zu einem circa 20 Kilometer außerhalb der Stadt gelegenen Tempel. Nach wenigen Minuten befanden wir uns in einer Gegend, die in ihrer Kargheit an die Bilder erinnert, die ich von Afghanistan im Kopf habe. Wir durchquerten etliche Dörfchen, ehe wir einen steilen Berg zu erklimmen hatten. Die Riksha bewältigte diese Herausforderung nur, indem wir auf der Straße selbst kleine Schlangenlinien fuhren, sodass es weniger steil war. Aber der Aufstieg lohnte sich. Von oben blickte man über die Weiten Rajasthans.

Riksha am Rande des Abgrunds

Riksha am Rande des Abgrunds

Blick über Rajasthan

Blick über Rajasthan

Der Tempel selbst war einer von vielen, mein Interesse daran stumpft langsam ab, aber nichtsdestoweniger war es ein gelungener Ausflug.

Im Tempel

Im Tempel

Tempel

Tempel

Männer im Gespräch vor dem Tempel

Männer im Gespräch vor dem Tempel

Bei einem Jungen dort oben trank ich meinen ersten frisch gepressten Zuckerrohr-Saft. Faszinierendes Prozedere. Etliche Stangen werden durch eine eigens dafür konzipierte Maschine gejagt, bis am Ende ein grünes, süßes Getränk herauskommt. Lecker, wenngleich ich nicht mehr als ein Glas davon trinken könnte.

Junge bereitet Zuckerrohrsaft zu

Junge bereitet Zuckerrohrsaft zu

Elyseos erstes Glas frischer Zuckerrohrsaft

Elyseos erstes Glas frischer Zuckerrohrsaft

Am Nachmittag zog ich mich ein wenig zurück.
Ich verstand mich gut mit Raj, war froh, dass wir zwei so schöne Tage miteinander verbracht hatten. Für den Abend hatte er mich eingeladen, auf eine indische Hochzeit mitzukommen.
Zuvor ging ich einen Chai mit Hemont trinken, einem anderen Künstler dort, der mir immer wieder Rat gegeben hatte, wenn ich Fragen hatte. Ich mochte seine modernen Bilder mit klassisch-indischen Motiven und kaufte letztlich zwei.
Als ich mich später mit Raj traf, fragte der mich, was ich am Nachmittag gemacht hätte. Ich erzählte ihm davon, sparte allerdings meinen Kauf aus und meinte nur, ich hätte einen Chai mit Hemont getrunken.
Was hast du gekauft?, fragte er schließlich.
In einer solch kleinen Gemeinschaft bleibt nichts lange verborgen. Also antwortete ich ehrlich – ohne zu ahnen, welch Drama ich damit heraufbeschwören würde.
Raj war zutiefst beleidigt und verstand dem auch auf äußerst theatralische Weise Ausdruck zu verleihen. Eine halbe Stunde überschüttete er mich mit Vorwürfen, bezeichnete Hemont als Betrüger, Egoisten; fragte mich, wie ich ihn nicht habe um Rat fragen können, weshalb ich nicht seine Künstler-Kooperative habe unterstützen wollen – die richtigen Leute –; meinte, dass er sein Gesicht verlöre, weil er zwei Tage mit einem Touristen verschwendet habe und ein anderer sich nun ins Fäustchen lache, der das Geschäft gemacht habe und nun über ihn spotten werde. Letztlich lief natürlich alles darauf hinaus, dass ich nicht bei ihm gekauft hatte, obwohl er doch so viel Zeit mit mir verbracht hatte.
Ich sah mich in der Defensive, da er partiell natürlich Recht hatte. Weder hatte ich ihn um Rat gefragt, noch bei ihm gekauft. Aber ich hatte eben Bilder gekauft, die ich aufhängen oder verschenken würde – beides traf auf seine Bilder nicht zu.
Außerdem leben wir in Europa in einer individualistischen Kultur der Nichteinmischung. Wenn wir Rat geben oder einholen sind wir stets ausgesprochen zurückhaltend, betonen die Autonomie des Gegenüber, dass es keinesfalls nötig sei, unserem Ratschlag zu folgen und dergleichen mehr.
Ich war schlicht nicht auf die Idee gekommen, Raj um Rat zu bitten. Ich bin es gewohnt, meine Entscheidungen alleine zu treffen.
Ein Fehler, wie ich schmerzlich herausfand.
Dennoch hörte ich ihm zu, weil ich ihn mochte. Versuchte mich zu erklären, ohne dass es mir wirklich gelungen wäre.
Nach einer halben Stunde brachen wir trotzdem auf, um auf diese Hochzeit zu gehen. Die Stimmung allerdings blieb angespannt.

Indische Hochzeit in Udaipur

Indische Hochzeit in Udaipur

Indische Hochzeit in Udaipur

Indische Hochzeit in Udaipur

Indische Hochzeit in Udaipur

Indische Hochzeit in Udaipur

Später, als wir gemeinsam am Seeufer saßen, flammte die Diskussion noch einmal auf. Abermals hörte ich mir eine halbe Stunde lang Vorwürfe an, wie verletzt er sei und traurig, dass er sich zugleich schuldig fühle, weil er mich nicht besser beraten habe – bis es mir irgendwann reichte.

Genug Schuldgefühle für einen Tag. Er meinte, ich solle am nächsten Tag in seiner Galerie vorbeikommen und mir seine Kunstwerke ansehen. Ich verstand genau, dass dies die Chance wäre, mir seine Freundschaft zurückzukaufen.
Ich verlebte eine unruhige Nacht. Wälzte mich hin und her. Hatte Alpträume.
Sollte ich ein Bild kaufen, das ich nicht haben wollte, nur ihm zu gefallen?
Noch am Morgen wusste ich keine Antwort darauf. Auf der Hotelterrasse sprach ich mit zwei Deutschen und fragte sie nach ihrer Meinung. Nicht hinzugehen, so unsere einhellige Ansicht, wäre schwach. Etwas zu kaufen, obwohl man es nicht wollte, widerspräche allerdings dem gesunden Menschenverstand, mehr noch, da ich ohnehin am selben Abend abreisen wollte.
Letztlich ging ich, ohne zu wissen, wie ich mich entscheiden würde, zu Rajs Galerie. Eine Stunde lang sah ich mir Bilder an, die zweifelsohne alle handwerklich perfekt gearbeitet waren. Miniaturmalereien. Vogelportraits. Ich verhandelte sogar über den Preis eines Bildes mit Raj – er wollte 1800 Rps. dafür haben, also beinahe 20 Euro – da er mir aber in keiner Weise entgegen kam, kaufte ich letzten Endes nichts. Ich schrieb ihm meine E-Mail-Adresse auf und meinte, sollte er je nach Europa kommen, könne er sich gern melden. Aber die Stimmung war unterkühlt. Weder sah er mir in die Augen, noch verabschiedete er sich richtig.

Sei’s drum. Ich hatte meine Entscheidung getroffen und wusste im Nachhinein auch, dass sie richtig gewesen war. Freundschaft lässt sich nicht kaufen. Nachmittags sah ich mir noch mit den beiden Deutschen den Palast von Udaipur an, ehe ich weiterfuhr.

Udaipur Stadtpalast

Udaipur Stadtpalast

Udaipur, Stadtpalast

Udaipur, Stadtpalast

Udaipur, Stadtpalast

Udaipur, Stadtpalast

Sollte Rajs Satz darüber, dass Inder von Westlern nichts anderes wollen könnten als Sex (wenn es sich um Frauen handle) oder Geld sich bewahrheiten, wäre das ein trauriges Bild.
Ob er sich dessen bewusst wahr oder nicht (ich vermute, er war es), Raj säte damit ein Saatkorn des Misstrauens in meinem Herzen. Ein unschönes wucherndes Geschwulst, das herauszureißen mich einige Mühe kostet.
Dennoch habe ich in Bundi, meinem momentanen Aufenthaltsort, bereits Erfahrungen gemacht, die mir das Gegenteil beweisen. Schlechte Gedanken aber sind widerstandsfähiger als gute. Leider.
Weiterhin investiere ich Vertrauen. Wenngleich mein Glaube ein wenig angeschlagen ist.

2 Gedanken.

  1. …sitze im Bett mit Kaffee und lese gebannt deinen Bericht. Und fühle mit dir. Muss das erstmal sacken lassen. Fühl dich ganz fest umarmt! Und auch wenn es stets unterschiedliche Erfahrungen sind, die wir machen, an ganz unterschiedlichen Orten der Welt – der Glaube an ‚das Gute‘ im Menschen ist etwas wunderbares und es ist manchmal eine verflixte Prüfung, aber auch ein riesiges Geschenk, wenn wir daran festhalten können. Biggsi

  2. …faszinierender Bericht – tolle Bilder!!! Ich glaube, solche Erfahrungen machen wir alle im Leben. Deshalb bin ich auch wesentlich misstrauischer als Du. Aber ich war ja auch schon in einigen asiatischen Ländern und halte immer ein bisschen die Luft an, wenn ich Deine Berichte lese.
    Ich umarme Dich ganz herzlich und wünsche Dir, dass Du nur noch gute Erfahrungen machst!!!
    Mum

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