Schwule Bücher – Ein Diskussionsbeitrag

Vielleicht möchte ich nicht in einer Welt ohne Paradoxien leben.

In Karlsruhe räumt das Bundesverfassungsgericht die letzten gesetzlichen Hürden auf dem Weg zum diskriminierungsfreien Umgang mit homosexuellen Partnerschaften aus dem Wege – in Frankreich marschieren Hunderttausende auf Paris, um dem Teufelswerk Homo-Ehe Einhalt zu gebieten, in Russland verbietet die Duma gar, vor Jugendlichen über Homosexualität zu sprechen.

An einem Ende unseres Landes ringt die geistige Elite um das generische Feminin (Herr Professorin), am anderen wird die Verbannung homosexueller Literatur aus dem Verlagssortiment betrieben, während am selben Tag aus Rom Berichte über eine Gay-Lobby im Vatikan kolportiert werden.

Wem soll in der heutigen Zeit Orientierungslosigkeit guten Gewissens zum Vorwurf gemacht werden?

Lebte Robert Musils Mann ohne Eigenschaften vor hundert Jahren in einer Zeit des Umbruchs und Werteverlustes, so ergeht es dem Menschen der wechselnden post-Epochen kaum besser. Feste Orientierungspunkte fehlen. Eine gewisse Beliebigkeit und Widersprüchlichkeit der Ansichten bleibt da nicht aus.

In solchen Zeiten sucht manch einer Zuflucht in den festgefügten Strukturen der Religion.

So weit, so gut.

Als ich gestern Abend die Meldung las „Weltbild schmeißt schwule Bücher aus Sortiment, musste ich im ersten Moment lachen.

Schwule Bücher?

Was soll das sein?

Woran nimmt der Buchhändler, der zu 100% im Besitz der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ist, Anstoß?

Führen Bücher neuerdings ein sexuelles Eigenleben und stehen in der Weltbild-Filiale turtelnd im Regal?

Geht es um die sexuelle Orientierung der Autoren? Oscar Wilde neben Thomas Mann, Cover an Cover?

Fühlen sich die Kunden vom tuntigen Geschnatter verstorbener Schreiber belästigt?

Oder ist die Handlung der Stein des Anstoßes – Ennis del Mar und Jack Twist aus Annie Proulx‘ Brokeback Mountain, die in der Filiale mit den Heranwachsenden Phil und Nicholas aus Andreas Steinhöfels Mitte der Welt anbandeln?

Was genau erregt derartiges Aufsehen, dass es im als aufgeklärt geltenden Deutschland des 21. Jahrhunderts einer Händlerzensur zum Opfer fallen müsste?

Nachdem ich den zugehörigen Artikel gelesen hatte, sah ich klarer, dennoch war ich nicht minder verwirrt.

Das Online Magazin Queer.de sieht das Buch Schwule Liebesgeschichten aus aller Welt von Robert Joseph Greene als Auslöser des Konflikts. Nach Auslieferung des Werks kündigte Weltbild dem kanadischen Verlag Icon Empire Press die Zusammenarbeit unter Berufung auf die katholische Werteausrichtung des Unternehmens auf.

„Als eine Firma, die der katholischen Kirche in Deutschland gehört, widmet sich unsere Leitung eher traditionellen Werten.“

 

zitiert Spiegel Online das Unternehmen.

Sado-masochistische Praktiken scheinen indes zum traditionell-katholischen Werte-Kanon zu zählen. Das umsatzträchtige SM-Werk 50 Shades of Grey jedenfalls, das monatelang die Bestseller-Listen anführte und nicht eben für seinen literarischen Tiefgang bekannt ist, bewirbt Weltbild derzeit gar mit einer Rabatt-Aktion.

Nichtsdestoweniger wird die undifferenzierte Berichterstattung deutscher Medien wieder einmal zum Problem.

Schwule Bücher.

Da hatte es ein Journalist sehr eilig, sonst hätte gewiss eine treffendere Formulierung gefunden werden können. Wie wäre es beispielsweise mit: Bücher, die homosexuelle Thematiken zum Inhalt haben?

Bürger, die sich berechtigterweise gegen diese Diskriminierung zur Wehr setzen, sehen sich später bisweilen mit dem Argument konfrontiert, sie seien halbherzig recherchierten Informationen auf den Leim gegangen (das habe ich heute bereits auf der überfüllten Facebook-Kommentar-Seite des Weltbildverlages gelesen).

Das ist bedauerlich.

Bücher sind nicht schwul.

So viel steht fest.

Allein diese Formulierung verleiht der Thematik den Anstrich einer unfreiwilligen Komik, die ihr gänzlich abgeht.

Zunächst reagierte auch ich amüsiert auf diese Meldung.

Es müsse sich um einen schlechten Scherz handeln, dessen war ich mir sicher. Als sich herauskristallisierte, dass es sich keineswegs um einen Scherz – weder einen guten noch einen schlechten handelte, ging mein Amüsement in eine adrenalin-gesteuerte Erregung über.

Dagegen müsse etwas getan werden, so viel war mir klar.

Wirklich befriedigend ist ein solcher Kampf gegen katholische Windmühlen jedoch nicht. Vermutlich hätte ich im Mittelalter auch mit der Inquisition nicht über Rechtgläubigkeit diskutiert. Es ist einfach müßig.

Warum aber ist ein solch offenkundig diskriminierendes Verhalten im Deutschland des 21. Jahrhunderts noch möglich?

Im ersten Moment schien die Angelegenheit beinahe amüsant, vielleicht auch noch in dem Augenblick, in dem ich auf der Facebook-Seite des Weltbildverlags einen empörten Kommentar hinterließ.

Was bleibt ist jedoch ein schales Gefühl tiefer Traurigkeit.

Die Artikel, die in der deutschen Presse über das Gebaren des Weltbildverlags veröffentlicht wurden, mögen reißerisch aufgemacht gewesen sein, der Kern bleibt indes bestehen.

Es ist nicht nur rechtens, sondern nachgerade die Pflicht eines jeden Bürgers, sich gegen die zensorische Bevormundung eines der größten Verlagshäuser in Deutschland zur Wehr zu setzen.

 

(Zur wirtschaftlichen Relevanz der Weltbild-Verlagsgruppe: Weltbild erwirtschaftete laut eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2011/12 einen unkonsilidierten Gesamtumsatz von 1,59 Milliarden Euro; neben den Weltbild-Filialen gehören u.a. auch Billigbuchhändler Jokers und Anteile an buecher.de zur Verlagsgruppe, Kooperationspartner ist Großbuchhandlung Hugendubel, zudem ist die Weltbildgruppe zu 50% am Droemer Knaur Verlag beteiligt. Quelle: Wikipedia-Artikel Verlagsgruppe Weltbild, Stand 13.06.2013).

 

Spitzfindigkeiten bei den Formulierungen in der medialen Berichterstattung halte ich hierbei für vernachlässigenswert. Vielmehr empfinde ich es als begrüßenswert, wenn Bürger, die bisweilen klaglos den Abbau von Persönlichkeitsrechten (hier sei die Vorratsdatenspeicherung genannt) und staatliche Bevormundung (beispielsweise das Rauchverbot) hinnehmen, in diesem Falle einhellig für das verfassungsmäßig verbriefte Grundrecht auf freie Meinungsäußerung eintreten.

 

Art. 5. 1. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

5. 2. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet.

5.3. Eine Zensur findet nicht statt.

(Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland)

 

Verbannt nun einer der marktbeherrschenden deutschen Buchhändler ein ganzes literarisches Segment aus offenkundig diskriminierenden Motiven (namentlich aufgrund der sexuellen Ausrichtung der Zielgruppe respektive der behandelten Thematik in den Büchern) aus seinem Sortiment, erübrigt sich meines Erachtens die Diskussion, ob es sich hierbei um Zensur handelt.

Nicht nur mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit gerät das Verlagshaus diesbezüglich in einen Konflikt, sondern ebenso mit der Grundrechtecharta der Europäischen Union.

In Artikel 21 heißt es dort:

 

21 (1) Diskriminierungen insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung sind verboten.

(Grundrechtecharta der EU, Hervorhebung durch den Autor dieses Blogposts)

 

Nach all den Erfahrungen, die mit Zensur, Bücherverbrennungen und Abschaffung der Meinungsfreiheit in Deutschland gemacht wurden, empfinde ich das, derzeit zugegebenermaßen primär virtuelle, Aufbegehren der Bürger nicht nur als angemessen, sondern vielmehr geradezu als Pflicht eines jeden demokratisch gesinnten Mitmenschen.

Schon einmal wurde in diesem Land mit dem Argument hantiert, man habe von nichts gewusst. Daran mögen bitte all diejenigen denken, die sich derzeit bemüßigt sehen, den sogenannten Shit-Storm der empörten Menschen als vorschnell oder übertrieben zu brandmarken.

Auf den Zusammenhang zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Faschismus respektive den sogenannten national-katholischen Diktaturen (wie beispielsweise die Franco-Diktatur in Spanien 1939 – 1975) habe ich nicht vor, hier näher einzugehen. Diesbezüglich existiert einschlägige Literatur in ausreichendem Maße.

Ich wünschte mir nur, die katholische Kirche verstünde es, sich in Zeiten, in denen sich viele Menschen auf spirituelle Unterstützung angewiesen fühlen, weniger zu verzetteln. Möge sie den Suchenden das geben, was so manch einer noch immer in ihrem Schoße zu finden hofft:

Inspiration, Halt, Führung im Geiste der Nächstenliebe.

Was mich persönlich am römisch-katholischen Dogmatismus und der im Falle Weltbild bewiesenen Intoleranz und Verkennung der Lebenswirklichkeit so traurig stimmt, ist die Vernachlässigung der Lehre Christi. Betrachtete man diese als Philosophie und nicht als dogmatische Lehre, so zweifelte wohl kaum jemand daran, dass Jesus Christus Partei für die Liebenden (denn, liebe konservative Dogmatiker, auch Schwule sind Liebende) ergriffen hätte.

Er war es nicht, der verdammte.

Er war es nicht, ausgrenzte.

Jesus verzieh. Sprach gar vom Gebot der Feindesliebe. Vom ungleich einfacher zu praktizierenden Gebot der Nächstenliebe ganz zu schweigen.

Das ist es, was mich so traurig macht.

Es geht hier um LIEBE.

 

Liebe Weltbild-Besitzer – Euch mag diese Art der Liebe nicht gefallen.

Doch wer seid Ihr, darüber zu urteilen?

Der, auf den ihr Euch in Eurer Scheinheiligkeit beruft, da bin ich mir sicher, hätte Euch wie die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel gejagt.

Ich sprach weiter oben von Verzeihung.

Bei Liebe allerdings, egal welcher Art, gibt es nichts zu verzeihen, ganz gleich, ob es sich um die Liebe zwischen Mann und Frau, Frau und Frau oder Mann und Mann handelt.

Liebe, Nächstenliebe, Feindesliebe gar – das ist die Quintessenz des Christentums.

 

In seinem Roman Garp und wie er die Welt sah schreibt der amerikanische Schriftsteller John Irving sinngemäß:

 

Toleranz gegenüber Intoleranten ist schwer, aber sie ist das Gebot der Stunde.

 

Vor zwanzig Jahren las ich diesen Roman und noch heute bemühe ich mich, die in diesem Satz beinhaltete Lektion zu lernen.

In diesem Augenblick übe ich an Euch, liebe Weltbild-Besitzer.

Zugegeben, es fällt mir schwer, Euch nicht zu verurteilen. Ich will jedoch nicht denselben Fehler begehen wie Ihr.

Es steht Euch selbstverständlich frei, jedwedem Glauben anzuhängen.

Ich möchte niemanden wegen seines Glaubens diskriminieren.

Ich wünschte nur, ich könnte von Euch das gleiche behaupten.

Manchmal, so scheint es mir, wäre es doch einfacher, in einer Welt mit weniger Paradoxien zu leben.

 

 

 

Zur weiteren Argumentation siehe: Von Weltbilds „Bibliothek der verbotenen Bücher“ und der Bedeutung von Freiheit→

Wer sich engagieren möchte, kann sich auf Facebook unserer Seite und unserer Gruppe anschließen:

Nein zur Zensur bei Weltbild

Gegen Bücherzensur bei Weltbild

 

 

Elyseo da Silva

Köln, 13. Juni 2013

Foto: Carbon NYC. Herzlichen Dank!           

 

http://www.flickr.com/photos/carbonnyc/3200680746/sizes/l/in/photolist-5SQjSN-5XAPiR-5XAPmR-5XAPpM-5XAPsD-5XAPur-5XAPv4-5XF5mS-5XF5oU-5XF5sm-5XF5v3-64Vtcb-64ZtR2-651A87-65xT9v-65xTgD-65xWbv-65CbPo-66D6hT-6aY7B4-6aY7V2-6aY85T-6aY8vz-6b3fZb-6b3gjL-6b3h5j-6e39iC-6eMDKA-6jKaiq-6mtPvh-6oUVpX-6sfpRy-6umkWX-6umn5H-6uqtYN-6uqufh-6uquku-6uqv6G-6uqvi7-6uqwv7-6uqy6J-6w2rio-6wLYBm-6yM3aK-6AuUKB-6AuV3r-6AuVbP-6AuVFM-6AuVNe-6AuVSR-6AuW3Z/
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20 Gedanken.

  1. Ist doch meine Rede . Nicht Gott ist das Problem sondern die Tatsache daß er von den vielen Leutchen die sich sein Bodenpersonal nennen nicht einen einzigen persönlich eingestellt hat. Aber diese selbst ernannten selbstherrlichen Mini- Götter richten in seinem Namen hier unten eine Menge Schaden an . . Die gesamte Bibel an deren einzelnen Buchstaben ihre fanatischen Vertreter aller Coleur so verzweifelt kleben , daraus Stückchen nach Bedarf zitieren und sich ohnehin nicht daran halten denn das kann kein Mensch — läßt sich auf zwei kleine Sätzchen zusammenfassen :

    1) Liebe den Herrn Deinen Gott
    2) Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst Ende der Bibel

    mehr is es nicht -alles läuft im Grunde auf diese beiden Gebote hinaus auch die 10 Gebote die auch niemand halten kann. Und das schließt alle Menschen dieses kleinen Planeten mit ein – gleich welchen Alters , welcher Rasse, welcher Hautfarbe , welcher Religion , welchen Geschlechtes , welcher Gesinnung und Achtung meine Damen und Herren auch egal welcher Sexualität mit ein denn dies ist mit Gesinnung auch gemeint. Wow welche Erleichterung – ein Rezept für den Weltfrieden … ganz leicht zu halten und auch gar nicht schwer. Kein Gott macht die Unterschiede und steckt Menschen in Schubladen und kein Gott diskriminiert und unterscheidet das machen nur Menschen mit Menschen .

    Wie sagte schon J. F Kennedy 1963
    „◾“Welche Art von Frieden suchen wir? Ich spreche vom aufrichtigen Frieden. Vom Frieden, der dem Leben auf der Erde einen Wert gibt. Nicht nur Frieden in unserer Zeit, sondern Frieden für alle Zeit. Unsere Probleme sind von Menschen gemacht und können von Menschen gelöst werden. Denn letzten Endes ist unsere tiefe Gemeinsamkeit, dass wir alle diesen kleinen Planeten bewohnen. Wir alle atmen die selbe Luft, wir alle hoffen für die Zukunft unserer Kinder und wir alle sind sterblich.“

    Kluger Mann das …

    • Hallo Lita!

      Vielen Dank für Deine weisen Worte.
      Tatsächlich ist es so einfach zu verstehen.
      Schade, dass um diese Dinge seit Jahrhunderten, ja sogar seit Jahrtausenden gekämpft, um ihretwillen Kriege geführt und unzählige Leben in ihrem Namen zerstört werden.
      Aber es tut gut zu wissen, dass es immer noch ein paar Menschen dort draußen gibt, die für dieselbe Sache kämpfen: Liebe, Leben in Freiheit und Respekt gegenüber dem Nächsten.

      Elyseo

  2. Hallo! Ich gebe dir zu 100% recht. Allerdings „Shades of Grey“ wurde vor nicht allzu langer Zeit nur „unterm Ladentisch“ verkauft…. Gut möglich, dass „schwule Bücher“ bald ebenfalls beworben werden…. ;-). Grüße! K.

    • Hallo Kerstin! Es geht ja nicht darum, dass die sog. „schwulen Bücher“ nicht mehr beworben werden, sondern vielmehr, dass sie komplett aus dem Sortiment genommen werden. In welchen Zeiten leben wir denn, dass Bücher „unterm Ladentisch“ verkauft werden müssen?!! Liebe Grüße zurück! Elyseo

    • Bückware

      Hallo Kerstin,
      teile Deinen Optimismus gerne. Aber wir müssen wohl noch ein bißchen Wirbel machen, damit der Weltbildkrieg den betroffenen Verlagen und Autorinnen auch wirklich etwas nutzt…

  3. Weltbild hat meine Erotic Fantasy & Gay Romance Buchserie „Duocarns“, mein Buch „Der schwarze Fürst der Liebe“ und meine „Erstaunlichen Erotischen Kurzgeschichten“ bereits vor einer Weile entfernt. Sie schmeißen auch alles raus, was eine Schwule Thematik und ansatzweise mit Erotik zu tun hat.
    Gestern kam noch in den Tagesthemen, dass der Papst zugegeben hat, dass es im Vatikan eine Gay Lobby gibt/gab.
    Ich weiß nicht, wie das alles zusammenpasst.
    Ich rate zum Boykott von Weltbild.

    • Hallo Pat,
      einen Boykott halte ich ebenfalls für den effektivsten Weg. Kapitalisten lernen über Zahlen. Danke für Deinen Erfahrungsbericht mit Weltbild! Schön, von Seiten einer Betroffenen zu erfahren, dass es sich offenbar nicht nur um einen medialen Sturm im Wasserglas handelt! Herzliche Grüße, Elyseo

  4. BRAVO! Habe Deinen Artikel mit großem Interesse gelesen und stimme Dir genau wie Lita und Kerstin zu 100% zu (allerdings was die Entmündigung beim Rauchen betrifft nur teilweise, aber das ist ja hier nicht das Thema). Ich mußte über den Ausdruck „schwule Bücher“ auch erst einmal lachen, das was dahinter steckt macht mich einfach nur wütend. In welcher Zeit leben wir eigentlich? Bewegen wir uns rückwärts? Scheint so!!! Das ist kein gutes Zeichen!

    • Aber ich denke, dem Weltbild-Verlag schlägt gerade eine solch massive Welle der Kritik entgegen, dass er es sich aus rein profit-orientierten Gründen zweimal überlegen wird, mit der gleichen Haltung fortzufahren. Danke für Deinen Beitrag!!

  5. Ich finde es gut, dass immer mehr Leute auf dieses Pradoxon aufmerksam gemacht werden. Schade ist, dass noch nicht wirklich vieles dagegen unternommen wird. Auf der einen Seite gewinnen homosexuelle Paare immer mehr an Rechten, auf der anderen Seite darf ein riesiger Verlag wie der Weltbild solche diskriminierenden Handlungen vornehmen und das ungestraft. Man erinnere sich nur an die Fälle, in denen Sozialarbeiter gekündigt wurden, da sie aus der Kirche ausgetreten sind. Ich hoffe in diesem Fall, dass das bekannte Social Media Facebook wieder genügend Aufmerksamkeit auf das Problem lenken kann, so dass auch große Zeitschriften ausführlich drauf reagieren und der Weltbild diese entscheidung nicht einfach in aller Ruhe aussitzen kann. Schaut doch mal bei Facebook in der Gruppe „Gegen Bücherzensur bei Weltbild“ nach. Da bewegt sich so einiges! 🙂

    • Hallo Miri!

      Danke für Deinen Beitrag!
      Ich persönlich empfinde es schon als gutes Zeichen, dass sich so viele Menschen für dieses nicht hinnehmbare Vorgehen der Weltbildgruppe interessieren. Die Social Media helfen natürlich dabei, Menschen zu verbinden. Als Gruppe gegen Unrecht aufzutreten zeitigt natürlich eine ungleich größere Wirkung als der Protest eines Einzelbürgers, der ja mit seiner Kritik ebenso im Recht wäre. Das Auftreten einer organisierten Gruppe übt allein durch die schiere Größe geballteren Druck aus.
      Interessant zu bedenken, dass derartige Gruppen früher Parteien waren – irgendwie ist uns dieses Verständnis im Laufe unserer „Demokratie“-Erfahrung in Deutschland abhanden gekommen.

      Liebe Grüße,

      Elyseo

  6. Vielen Dank für Ihren Beitrag.

    Ich stimme ebenfalls mit Ihren gesellschaftlichen und politischen Ansichten überein. Jede/r soll seine individuelle Erfüllung so anstreben dürfen wie sie/er es für richtig erachtet.

    Der Aspekt, der für mich persönlich an dieser Entscheidung des Weltbild-Verlages die meiste Brisanz besitzt, ist nicht primär das Thema der „schwulen Bücher“ – also eine beabsichtigte Bevormundung bzw. gelebte Intoleranz in Bezug auf sexuelle Orientierungen – sondern vielmehr eine Beschränkung der Freiheit der Kunst im Allgemeinen. Eine literarische Zensur geht immer mit einem kollektiven Partizipationsverlust an Freidenkerei einher.
    Hinzukommt, dass einmal mehr keine Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion bedacht wird.

    Ein Boykott dieses Verlages steht für mich außer Frage!

    Ich wünsche noch einen angenehmen Abend!

    Herzlich
    Jorgo

    • Hallo Jorgo,

      danke für Deinen Beitrag (ich hoffe, Du verzeihst, dass ich bei meinen Gepflogenheiten bleibe und hier das Du bewahre, ist meinerseits eher ein Zeichen von Respekt als Sie, das ich zumeist zur Abgrenzung nutze)! Das stimmt, Zensur ist stets in jeder Hinsicht bedenklich. Erst kürzlich habe ich an einer Diskussion auf Juli Zehs Facebook-Seite teilgenommen. Dabei ging es um die Schwierigkeiten, die so manch einer derzeit mit den Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion oder vielmehr dem Verschwimmen derselben hat. Ein vielschichtiges Thema.
      Freidenkerei, wie Du das so schön nennst, ist für mich jedenfalls eines der essentiellen Güter unserer Gesellschaft. Wenn wir Gefahr laufen, den freien Geist zu verlieren, bleibt von unserer „Volksherrschaft“ wahrlich nichts mehr übrig. Insofern auf jeden Fall ein Gut, um dass es sich zu kämpfen lohnt.

      Einen herzlichen Gruß zurück,

      Elyseo

  7. Dreier im Bücherregal

    Bücher sind Rückenfetischisten, das wird mir jetzt erst klar. Habe die sexuelle Komponente bislang einfach ausgeblendet. Aber jetzt, wo der Weltbildkrieg tobt, wird es mir bewusst. Und mein Bücherregal schaut mich so unschuldig an, dass es mir unverständlich ist, warum ich nicht schon lange Verdacht geschöpft habe. Simone de Beauvoir schmiegt sich da an Sabina Bermann. Die kuschelt aber anderseitig schon mit Selma Lagerlöf. Alle schwul. Und bestimmt auch übergriffig !

    Lieber Weltbildverlag, euer Engagement geht nicht weit genug. Ihr seid im Moment noch auf anrüchige Inhalte fixiert. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Geht auf Nummer Sicher und zieht euch ganz aus dem Büchergeschäft zurück. Macht euch nicht weiter die Hände schmutzig auf einem Markt, auf dem es nur ein einziges anständiges Buch gibt: die heilige Schrift !

    • Entschuldige, die Verzögerung, alter Freund, aber ich musste noch mein unwissentlich besudeltes Regal umsortieren! Habe jetzt auf eine strikte Geschlechtertrennung geachtet und Trauscheine eingefordert, sonst wird bei mir nicht mehr gekuschelt.
      Weltbildkrieg ist übrigens eine schöne Formulierung!!
      Und auch die Quintessenz gefällt mir gut, mal sehen ob Weltbild sich zukünftig auf den Vertrieb des Buches der Bücher beschränkt?! An Deiner Stelle würde ich dort vorstellig und das direkt mal vorschlagen!

  8. Mein lieber Freund,

    danke zunächst für deine Worte- ohne Zweifel müssen diese gesagt, wenn nicht geschrieen werden- auch wenn ich dieser Tage eher in zunehmende Sprachlosigkeit verfalle. Ich lese über die Weltbild-Zensur, überfliege zugegebenermaßen die immergleichen Berichte über protestierende Franzosen schon ob der Paradoxie ihrer vielgestaltigen Protestgegenstaende und blicke fassungslos gen Russland. Ich diskutiere mit meinen Studenten über Ethik, über Werte, über den Wert der Pluralität in der modernen Welt, über notwendigen Pragmatismus bei der Reaktion auf Fragen nach einem absoluten ‚richtig‘ oder ‚falsch‘- und dann frage ich mich beim Lesen deiner Worte über die eigentliche Bedeutung der christlichen Lehren (ich Agnostikerin, ich Skeptikerin, ich Vertreterin eines gepflegt-analytischen Rationalismus) ob uns allen in der zunehmenden Vielgestaltigkeit und Überschallgeschwindigkeit dieser Welt ein Moment fehlt, welches uns vereint. Ein Moment, das bewirkt, dass über Grund- und Menschenrechte nicht diskutiert werden muss. Eine Kraft, die Verständnis und Respekt für jedes Lebewesen qua Lebewesen schafft und uns Unterschiede mit Neugier, nicht mit Angst erforschen lässt. Überhaupt: Angst zu nehmen vermag angesichts der allgegenwärtigen Richtungslosigkeit. Ich glaube nicht an einen Gott und ich verachte die gängigen Praktiken nahezu jeder Form institutionalisierter Religion- doch ich wünschte, ich könnte an eine Macht glauben, die der Welt Augen und Herzen zu öffnen vermöge. „Die Liebe“, wird man sagen- doch kaum ein Gefühl ist so unberechenbar wie dieses. Vielleicht brauchen wir alle zuerst das Gefühl (zurück), bedeutsam zu sein. Eine Stimme zu haben und Einfluss. Und damit auch Verantwortung. Selten habe ich eine so umfassende und spontan-intuitive Solidarität erleben dürfen wie dieser Tage in der Türkei. Es wird Zeit, nicht nur für einen Boykott von Weltbild und Co., sondern dafür, unsere Stimmen und unsere Kraft zurückzuerobern und Verantwortung für zu übernehmen- für uns selbst und für die Welt, in der wir leben und die wir zu dem machen, was sie ist und sein wird. Mit deinen Worten tust du das, lieber Freund. Mögen diesen tausende folgen.

    • Hallo Caro!

      Damit gebe ich Dir vollkommen Recht. Es wäre wunderbar, gäbe es eine solche verbindende Kraft – deswegen kann ich die Suchenden jedweder Couleur auch verstehen. Sie ist es, die sie in einer Religion zu finden versuchen.
      Auch der Gedanke einer „Emotionalen Revolution“, der im Anfang deines Ausspruch „wir brauchen zuerst das Gefühl zurück, bedeutsam zu sein“ anklingt, also die verkürzte Fassung „wir brauchen das Gefühl zurück“ hat mich schon öfter beschäftigt. In unserer rationalistischen Welt wird alles, was anders als rational begründet wird, meist als verdächtig behandelt und somit diffamiert. Die Menschen, so scheint es mir, haben aber einen Hang zum Transzendenten, der lässt sich nicht wegrationalisieren – und auch ist die Reduktion der Welt auf eine rein rationale die Verarmung einer an sich reichen Welt.
      Schön, dass Du dann auf unsere tatsächliche Macht zu sprechen kommst. Jenseits all der Alternativlosigkeit, die uns Tag für Tag über die Medien gepredigt wird, gibt es sie nämlich, die Welt, auf die wir Einfluss zu nehmen vermögen. Noch immer ist die Welt, in der wir leben, unser aller Welt und nicht die, der Politiker, nicht die der Fanatiker ganz gleich, ob religiöser oder sonstiger Natur.
      Es ist an der Zeit, diese Verantwortung zurückzugewinnen. Es ist an der Zeit, die Picknick-Decke „Demokratie“, die wir so bequem unter unseren allerwertesten ausgebreitet haben, einzurollen und ein neues Plätzchen für sie zu suchen. Der Untergrund ist hart geworden, so kommt es mir vor. Die Decke sifft. Vielleicht müssen wir sie waschen oder auch nur ordentlich auslüften. Das wird sich zeigen. Aber, ich rümpfe die Nase: ich habe keine Lust mehr auf dieser stinkigen Decke sitzen zu bleiben, bloß weil mir jemand sagt, dies wäre der einzige Platz, wo ich sie ausbreiten dürfe. Ich kann das saftige grüne Gras schon riechen! Also, lasst uns aufbrechen. Hier stinkt’s!
      Habt Vertrauen, es lohnt sich!

      Elyseo

      • Die Feder der Maat

        hej hej,
        ich bin eher ein Freund der Angst. Für ein Wesen, dass auf ein kleines Steinchen im Schuh mit Schmerz reagiert und bei Regen die Augen zusammenkneift, ist es natürlich, Ängste zu haben. Wir sind verwundbar.

        Gerade weil wir Angst haben, verbinden wir uns. Wahrscheinlich die häufigste Ursache, weit vor der Liebe. Dass das Probleme mit sich bringt, darin stimme ich mit euch völlig überein. Nur – Angst bringt uns dazu, mutig zu sein, und darin liegt eine unserer größten Stärken. Zum Verständnis und Respekt untereinander gehört, uns selbst und gegenseitig unsere Ängste zu erlauben. Vielleicht ist genau das die „Emotionale Revolution“.

        Problematisch ist die Angst vor den falschen Dingen. Bedingt durch einen hässlichen Verteilungskampf sitzen wir in unseren religiösen, nationalen, sexuellen, sozialen Schubladen und fürchten uns vor den Anderen. Dabei ist offenbar genug für alle da. Naja.

        Ich schreie gerne mit Dir, Caro ! Und deine Decke, Elyseo, die stinkt wirklich;o) Und da sind so viele, die das auch riechen. Gemma…

  9. Hallo Elyseo,

    du bringst es in deinem Artikel genau auf den Punkt.
    Liebe ist Liebe….egal wer mit wem
    Einer meiner Lieblingssprüche dazu:

    Liebe fragt nicht, Liebe ist….

    Ich für meinen Teil werde Weltbilld und die angeschlossenen Händler zumindest als Kunde boykottieren bis da mal irgendjemand zur Einsicht kommt. Als Autorin habe ich leider nicht unbedingt Einfluss darauf wo meine Bücher gelistet werden. Allerdings werden sie oft abgelehnt … ich schreibe nämlich Erotik, bisher sind sie weder bei Weltbild, noch bei Jokers oder Hugendubel zu finden gewesen.

    Aber damit kann ich wunderbar leben.

    GLG Val

    • Hallo Val,

      das kannst Du ja heute beinahe schon als Auszeichnung auffassen, wenn Du dort nicht gelistet bist;-) Und der persönliche Boykott ist durchaus Schritt Nummer eins, wenngleich ich denke, wir sollten uns weiterhin anstrengen, die Angelegenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen!

      Alles Liebe,
      Elyseo

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Elyseo da Silvas Debüt-Roman: Mosaik der verlorenen Zeit. Zur Website →
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