Mc Leod Ganj (Dharamshala) – Exilheimat des Dalai Lama

Vorwärts, der Zug ruckelt langsam einen Kilometer voran, unter einer Brücke hindurch, an deren Pfeiler sich einige Männer pressen, um Platz zu schaffen. Dann bleiben wir stehen. Plötzlich fährt der Zug wieder zurück. Verwundert sehe ich mich um, doch ich scheine der einzige zu sein, dem das komisch vorkommt. Wir fahren also einen halben Kilometer zurück. Bleiben stehen. Fahren wieder einen halben Kilometer. Bleiben abermals stehen. Und zurück, bis wir schließlich, eine halbe Stunde nach unserer Abfahrt wieder am Gleis stehen.

Indische Züge. Ein Kapitel für sich. Zukünftig werde ich wohl noch stärker die Stirn runzeln, wenn sich jemand über zehnminütige Verspätungen der Deutschen Bahn beschwert. In Indien ist es gang und gäbe zwischenzeitlich zwei- bis dreistündige Stopps inmitten von Nirgendwo einzulegen. Keine Erklärung. Kein ersichtlicher Grund. Eine wahre Geduldsprobe. Aber nur eine der zahllosen Gelegenheiten, in diesem Land seine Geduld zu trainieren.

Letztlich verlässt der Zug nach Pathankot den Bahnhof in Amritsar doch noch. Ich bin auf dem Weg nach Dharamshala.

Zunächst aber führt mich mein Weg in einem sogenannten Toy-Train durch das Kangra-Valley.

Toy-Train durch das Kangra-Valley

Toy-Train durch das Kangra-Valley

Frühlingshaftes Kangra-Valley

Frühlingshaftes Kangra-Valley

Toy-Train durch das Kangra-Valley

Toy-Train durch das Kangra-Valley

Dieser Zug ist in der Tat winzig. Auf schmalen Gleisen schlängelt er sich durch das frühlingshafte Tal. Die Fahrt ist ebenso lohnend wie anstrengend. Aus den vorausgesagten vier Stunden werden sieben. Am Abend komme ich erst kurz nach Sonnenuntergang in Kangra an. Ich beschließe zu bleiben.

Zwei indische Jungs Anfang 20 bieten an, mir bei der Hotel-Suche behilflich zu sein. Wie sich schnell herausstellt ist Kangra im Vergleich zu den meisten anderen indischen Städten heillos überteuert, das Preisniveau für eine Übernachtung lässt sich mit dem in Mumbai vergleichen. Die beiden rufen einen Freund an und fragen ihn, ob er ein billiges Hotel wisse. Letztlich bringen sie mich zu einem Hotel, das nur 400 Rupees für die Übernachtung verlangt.

So heißt es.

Als wir allerdings ankommen, sehe ich nur den grimmigen Blick des Hotelbesitzers. Alles, was ich seiner Litanei auf Hindi entnehmen kann, ist das Wort foreigner, dafür scheint es kein eigenes Wort auf Hindi zu geben. Er schleudert mir einen hasserfüllten Blick und das Wort Tausend entgegen. Ich schüttle den Kopf, bin keinesfalls bereit, so viel zu zahlen. Meine Begleiter reden beschwichtigend auf den Mann ein, der allerdings nicht zu erweichen ist. Mir indes ist die Lust auf eine Nacht in dieser unwirtlichen Behausung ohnehin vergangen. Ich schüttle nun meinerseits den Kopf und trete schwer bepackt wie ich bin wieder auf die Straße.

Der Bus nach Dharamshala bräuchte nur eine Stunde. Ich erwäge kurz, die Fahrt noch auf mich zu nehmen, bin aber nach der ganztägigen Fahrt in Local Trains zu erschöpft. Also ziehe ich weiter.

Zu guter Letzt finde ich ein schäbiges Hotel, in dem ich die Nacht verbringe. Die Übernachtung kostet noch immer 550 Rupees, die Fensterscheiben sind zerschlagen, der Wasserhahn im Bad funktioniert nicht, aber ich habe ja nur vor, hier zu schlafen. Dennoch buche ich für zwei Nächte, da mein Reiseführer empfiehlt, mir Kangra vor der Weiterfahrt anzusehen.

Nach mehreren Wochen in heiligen Städten ohne einen Tropfen Alkohol kaufe ich mir in einem Liquor Store ein kleines Fläschchen billigen Gin und finde letztlich auch Tonic Water, das doppelt so viel kostet wie der Schnaps.

Es ist ein tristes Bild. Ich sitze in diesem abgeranzten Hotelzimmer, trinke Gin Tonic und höre Musik über mein Smartphone.

Morgens aber mache ich mich trotz allem hoffnungsfroh auf, um Kangra zu erkunden.

Es dauert keine zwanzig Minuten, bis ich erkenne, dass dies der schlimmste Ort ist, an dem ich bislang in Indien gewesen bin. Zwar habe ich zugesagt, eine zweite Nacht im Hotel zu verbringen und dadurch einen kleinen Rabatt aushandeln können, doch ich beschließe, so schnell wie möglich zu verschwinden. Die Menschen sind unfreundlich, der Ort ist hässlich und alles in mir schreit danach, das Weite zu suchen. Also folge ich meiner inneren Stimme, packe meine sieben Sachen und sitze eine halbe Stunde später im Bus nach Dharamshala.

Eine gute Entscheidung.

An einer Kreuzung in Dharamshala steige ich in ein Sammeltaxi nach Mc Leod Ganj, meinem eigentlichen Ziel.

Mc Leod Ganj ist die Exilheimat des Dalai Lamai und seiner tibetischen Gemeinschaft. Der Ort unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von allen anderen Städten, die ich in Indien bislang gesehen hatte. Über seine Straßen schlendern tibetische Mönche in ihren weinroten Kutten, überall flattern tibetische Gebetsfahnen im Wind.

Tibetische Mönche

Tibetische Mönche

Tibetische Gebetsfahnen im Wald

Tibetische Gebetsfahnen im Wald

Auch das Essen ist anders: die tibetische Küche erinnert eher an die vietnamesische als an die indische. Es gibt vielerlei Suppen, überraschenderweise jede Menge Fleisch – bis dato hatte ich mich in Indien beinahe ausschließlich vegetarisch ernährt – und Gerichte mit knackigem Gemüse. Eine willkommene Abwechslung.

Ich stieg im unweit des Main Square gelegenen Om-Hotel ab. Mein Zimmer kostete 300 Rupees, war also deutlich günstiger als meine Absteige in Kangra. Zudem hatte ich einen wunderbaren Blick über das Tal.

Erst als ich in Mc Leod Ganj ankam, merkte ich, wie erschöpft ich war. In den nächsten beiden Tagen verließ ich das Hotel praktisch nicht. Stundenlang saß ich im Restaurant und sah aufs Tal hinab oder lag in meinem Bett. Die Ruhe war unglaublich wohltuend.

Aussicht aus dem Om-Hotel in Mc Leod Ganj

Aussicht aus dem Om-Hotel in Mc Leod Ganj

Aussicht aus dem Om-Hotel in Mc Leod Ganj

Aussicht aus dem Om-Hotel in Mc Leod Ganj

So aufregend und abwechslungsreich Indien auch sein mag, es ist doch zugleich anstrengend. Das Konzept Allein-Sein ist in diesem Land schlichtweg unbekannt. Sobald ich mich irgendwo niederlasse, um beispielsweise in aller Stille einen Sonnenuntergang zu genießen, sieht sich jemand bemüßigt, mir Gesellschaft zu leisten. Nun bin ich es von zu Hause gewöhnt, relativ viel Zeit allein zu verbringen, und bei aller Offenheit ermüdeten mich doch die immer gleichen Fragen:

Which country? – Ah, good country. What your name, Sir? – You married? – No. – Girlfriend? – No.

Unverständiges Kopfschütteln.

Ich hatte nicht vor, den Indern das europäische Verständnis von Beziehungen näherzubringen. Geschweige denn Lehrstunden zum Thema Homosexualität abzuhalten. Also empfand ich solche Gespräche häufig als anstrengend und wenig fruchtreich.

Tatsächlich hatte auch Raj mit seiner Aussage darüber, weswegen indische Männer mit ausländischen Männern reden sollten (Udaipur), in vielerlei Hinsicht Recht behalten. Ich will nicht behaupten, dass das Interesse aller Gesprächspartner, die ich in den vergangenen Wochen hatte, ausschließlich darin bestand, mit mir Geschäfte zu machen. Wenn ich mir allerdings ansehe, mit welch überbordendem Interesse Margarete in all der Zeit bedacht wurde und was sie alles mit Indern erlebte, muss ich seiner Aussage dennoch einen wahren Kern zugestehen.

Das Reisen als Frau ist mithin in vielerlei Hinsicht interessanter. Der Kontakt zu Einheimischen hat eine gänzlich andere Dimension. Bei mir ging er in den wenigsten Fällen über oberflächlichen Smalltalk hinaus.

Ausgesprochen schade, offen gestanden.

Tempel mit buddhistischen Gebetsrädern in Mc Leod Ganj

Tempel mit buddhistischen Gebetsrädern in Mc Leod Ganj

Buddha-Statue, Mc Leod Ganj

Buddha-Statue, Mc Leod Ganj

An meinem dritten Tag in Dharamshala stieß Margaret wieder zu mir. In den kommenden Tagen teilten wir erneut ein Zimmer. Am Tag ihrer Ankunft stürmte und gewitterte es, als wolle die Welt untergehen. Ich genoss das Szenario in meinem Bett. Es war einer der schönsten Tage hier, obwohl nichts geschah. Alles war finster. Der Regen prasselte hernieder, Blitze zuckten über den Himmel, der Sturm riss an den Gebetsfahnen. Am Abend dann kehrte der Sonnenschein zurück.

Elyseo in Dharamkot

Elyseo in Dharamkot

In den kommenden Tagen erkundeten wir die Umgebung. Wir hatten das Glück, dass uns Achim, ein Fotograf aus München, der schon mehrmals in Dharamshala gewesen war, auf unserer zweiten Wanderung führte. So erschlossen sich mir die Möglichkeiten für weitere Tages- oder Halbtagestouren.

Gebetsfahnen

Gebetsfahnen

An jenem Tag führte uns unsere Tour über das nahegelegene Dharamkot zu einem kleinen Wasserfall oberhalb von Bhagsu. Die Sonne strahlte vom Himmel und was die Hitze in Varanasi nicht geschafft hatte, schaffte die Höhe: ich verbrannte mir die Nase – trotz Achims kühlender Minzblattkur.

Minzblatt gegen Sonnenbrand...

Minzblatt gegen Sonnenbrand…

Wasserfall bei Bhagsu

Wasserfall bei Bhagsu

Achim und Margaret

Achim und Margaret

Ohnehin erwies Achim sich als idealer Kamerad, der sich stets versicherte, dass wir alle wohlauf waren und mit der ausgewählten Strecke zurecht kamen. Ein interessanter Gesprächspartner war er zudem. Leider verließ er Dharamshala am folgenden Tag.

Oberhalb von Dharamkot

Oberhalb von Dharamkot

Oberhalb von Dharamkot

Oberhalb von Dharamkot

Das obligatorische Tierbild

Das obligatorische Tierbild

In Mc Leod Ganj drängt sich das Leid, das die chinesische Besatzung über das tibetische Volk gebracht hat, mit aller Macht ins Bewusstsein. Wenig des Ausmaßes an Grausamkeit und Menschenverachtung war mir zuvor klar. Nicht nur besuchte ich einen von einer tibetischen Schule organisierten Filmabend über die Aufstände der Tibeter im Jahre 2008, die die chinesische Regierung mit aller Brutalität niederschlagen ließ, auch besuchte ich das Tibet-Museum neben dem Dalai-Lama-Tempel, wo die Geschichte der Unterdrückung in allzu eindringlicher Weise vermittelt wird.

In den Jahren seit dem misslungenen Aufständen gibt es eine stetig zunehmende Zahl an Tibetern allen Alters, die sich aus Verzweiflung über die Unterdrückung selbst verbrennen. Den Tibetern wird die Religionsausübung verwehrt, ihre Sprache wird nachrangig behandelt, sie unterliegen polizeilicher Willkür und werden als Arbeitskräfte für dieselbe Arbeit schlechter bezahlt als eingewanderte Chinesen. Sie werden zur Minderheit im eigenen Land gemacht.

In der „Kulturellen Revolution“ zu Beginn der 80-er Jahre zerstörten die Chinesen einen Großteil der tibetischen Klöster und der alten Schriften des tibetischen Buddhismus. Die tibetische Flagge ist verboten, in den Klöstern müssen die Mönche dem Dalai Lama abschwören und kommunistische Umerziehung über sich ergehen lassen. An den Klosterwänden hängen Fotos des jeweiligen chinesischen Regierungschefs.

Die Botschaft des Dalai Lama ist noch immer die gleiche: Mitgefühl, Verständnis und Liebe sind als einzige imstande, die Lage zu verändern.

Gerade als ich drauf und dran war, einige Tage später das Om-Hotel zu verlassen, um mir eine Bleibe in Bhagsu zu suchen – ich war bereits seit einer Woche in Mc Leod Ganj und verspürte endlich wieder das Bedürfnis, mich weiterzubewegen, und sei es nur in ein anderes Guesthouse im etwas ruhigeren Bhagsu – kamen Vikas, Sonu und Jon mit dem Bus aus Bundi angereist.

Vikas, Jon und Sonu: Bum of the day

Vikas, Jon und Sonu: Bum of the day

Also blieb ich in Mc Leod Ganj.

So gern ich die drei mag – wir sprechen unterdessen alle Jons verkürztes koreanisches Englisch und reagieren hauptsächlich mit Aaaaaaahhhhhh und Hmmmmmmm – waren die folgenden Tage nicht eben einfach für mich.

Margaret hatte zusätzlich Besuch von einer australischen Freundin, Lucinda, die derzeit in Abu Dhabi lebt und auf eine dreitägige Stippvisite in Indien vorbeischaute. Allesamt bestand für die Gruppe fortan das wichtigste Tagesziel darin, so viel Alkohol wie möglich zu vernichten. Einen Tag lang beteiligte ich mich daran, nicht zuletzt, weil es sich um den Tag vor Jons Geburtstag handelte, dann aber hatte ich es über. Damit war ich jedoch leider allein.

Gruppenbild mit Damen

Gruppenbild mit Damen

Ich versuchte also ein Gleichgewicht zwischen dem, was mich antrieb, und den Wünschen der Gruppe zu finden. Das gelang mir mal mehr, mal weniger gut. Auch hier bekam ich die ich nenne es Mal Allmacht der Frauen zu spüren, was mich bisweilen gehörig nervte. Selbst wenn Vikas und Sonu noch Minuten zuvor sagten, sie hätten keinerlei Lust auf eine Unternehmung und wir beschlossen, etwas anderes zu unternehmen, war alles vergessen, sobald Margaret oder Lucinda einmal sagten, sie sollten doch mitkommen.

Herauszufinden, inwieweit meine Ablehnung nur dem Trotz entsprang, mir nicht diktieren zu lassen, was ich zu tun hatte, oder inwieweit ich tatsächlich lieber einen anderen Plan verfolgte, fiel mir schwer. Ich bemühte mich, meine Unabhängigkeit zu wahren, hatte allerdings im selben Moment das Gefühl, mich zum Außenseiter zu machen und als Eigenbrötler, wenn nicht gar als Party-Pooper abgestempelt zu werden. In dieser Rolle gefiel ich mir keineswegs, andererseits wollte ich auch niemandem zuliebe noch weitere Stunden des Nachts saufen oder auf eine Death-Rider-Motorrad- und Auto-Show fahren, die mich nicht die Bohne interessierte.

Zweierlei tat mir in diesen Tagen sehr gut. Zum einen entschied ich jedes Mal, dann mein eigenes Ziel zu verfolgen, sodass ich allein eine Tageswanderung zu einem weiteren Wasserfall unternahm.

Die Ruhe in der Natur und das Wandern brachten mich ein Stück zurück zu mir selbst. Die Aggression, die ich in diesen Tagen mehrmals in mir aufwallen spürte, verebbte ganz von selbst wieder.

Wasserfall nahe Dharamkot

Wasserfall nahe Dharamkot

Wasserfall nahe Dharamkot

Wasserfall nahe Dharamkot

Zum anderen hatte ich kurz vor der Ankunft der Bundi-Crew Mauricio kennen gelernt, einen Argentinier, wenige Jahre jünger als ich, der zwar ziemlich kompliziert war, zugleich aber ein interessanter Gesprächspartner. Er schien, wenngleich aus anderen Gründen, ein ähnliches Problem mit Gruppendynamiken zu haben wie ich.

Mit ihm unternahm ich am Tag vor meiner Abreise aus Mc Leod Ganj eine Tageswanderung nach Triund, einem auf 2975 Meter gelegenen Ort in den Bergen. Wir gingen zu zweit, da der Rest der Gruppe damit beschäftigt war, seinen Kater zu verdauen oder auf den nächsten hinzuarbeiten.

Am frühen Morgen brachen wir auf. Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel. Mächtig ragten die schneebedeckten Berge über uns Wanderern auf.

Schneebedeckte Gipfel

Schneebedeckte Gipfel

Schneebedeckte Gipfel

Schneebedeckte Gipfel

Die Tour war großartig, wenngleich anstrengend. Mehrere Stunden lang ging es steil bergauf. Irgendwann erreichten wir die Schneegrenze, wobei mir meine löchrigen Turnschuhe nicht unbedingt die besten Dienste erwiesen. Dennoch gelangten wir mittags schließlich, früher als erwartet, ans Ziel. Gerade noch rechtzeitig, ehe sich die Gipfel der Berge in Wolken hüllten.

Aufstieg nach Triund

Aufstieg nach Triund

Aufstieg nach Triund

Aufstieg nach Triund

Erschöpft und erfülllt von Gipfelglück verbrachten Mauricio und ich zweieinhalb Stunden in Triund.

Elyseo und Mauricio in Triund

Elyseo und Mauricio in Triund

Mauricio

Mauricio

Blick von Triund

Blick von Triund

Triund

Triund

Triund

Triund

Pferde an eisiger Wasserstelle (Triund)

Pferde an eisiger Wasserstelle (Triund)

Einige Wanderer hatten sich Zelte und Schlafsäcke geliehen und bereiteten sich darauf vor, die Nacht in der Höhe zu verbringen. Wir aber machten uns in Begleitung eines Kaliforniers und eines Inders nachmittags wieder an den Abstieg. Völlig kaputt kamen wir um sieben Uhr wieder in Mc Leod Ganj an.

Margaret, Vikas, Jon und Sonu saßen bei Bier in ihrem gemeinsamen Zimmer.

Ich erkundigte mich, wann Sonu und Vicky vorhatten, nach Bundi zurückzufahren, da auch ich vor meiner Abreise noch einmal dorthin wollte. Am Abend zuvor hatte Vikas gemeint, sie würde wohl tags darauf aufbrechen, nun aber hieß es, sie wollte Margaret nach Manali, einem weiteren Ort in den Bergen begleiten.

Ich schluckte meine aufbrandende Wut herunter und meinte, ich würde am kommenden Morgen über meine weiteren Pläne nachdenken.

Obwohl ich vollkommen erschöpft war, fand ich keine Ruhe. Ich wälzte mich im Bett hin und her und überlegte, wie mein weiterer Reiseplan nun aussehen würde. Ohne die beiden nach Bundi zu fahren, ergab für mich wenig Sinn, zumal es dort derzeit bullenheiß ist. Nach ihrer Rückkehr zwei Tage dort zu verbringen, ergibt aufgrund der Entfernung wenig Sinn – mir verbleiben nicht mehr viele Tage bis zu meiner Rückkehr und ich habe vor, auf jeden Fall zwei Tage in Delhi zu verbringen, bevor ich abreise.

Nach zwei Stunden sinnlosen Grübelns knippste ich das Licht an und zückte meinen Reiseführer. Wenn schon Planung, dann besser mit Information. Letztlich entschied ich, dass wohl auch für mich Manali die einzig gangbare Lösung wäre. Allerdings wurde mir zugleich klar, dass ich es leid war, auf sämtliche Unwägbarkeiten und Eventualitäten zu reagieren und beschloss, mich von den Plänen der anderen unabhängig zu machen.

Tags darauf kaufte ich nach meinem Frühstück spontan eine Busfahrkarte nach Manali. Die Abreise stand noch am selben Abend an. Innerhalb einer halben Stunde packte ich meinen Rucksack und checkte aus dem Zimmer aus.

Am Abend dann fuhr ich mit einem Mini-Bus über die serpentinenreiche Straße nach Manali. Unglücklicherweise hatte ich den Platz neben dem Fahrer ergattert – was an sich ja nichts Schlechtes wäre, hätte mein Sitze eine Kopfstütze oder Ähnliches besessen. So aber tat ich die ganze Nacht kein Auge zu.

Als ich früh um halb fünf völlig übermüdet in Manali ankam, traf mich beinahe der Kälteschlag, als ich die Bustür öffnete.

Kaum aus dem Bus gekrochen, umringte uns ein Trupp hyperaktiver Inder, die uns vorschreiben wollte, wohin wir zu gehen hatten.

No pression, my dears, you decide. I just say. But Vashisht bad place, not nice. Bad view. Bottom of mountain. Old Manali very good place. Cheap rooms, my dears, very good place. But you decide, my dears.

Er ließ einem Mitreisenden den schweren Reiserucksack vom Dach der Minibuses aus den Kopf fallen.

Sorry, my dears, sorry.

Am liebsten hätte ich persönlich dafür gesorgt, dass er die Klappe hielt.

Einzig das nächtliche Panorama der schneebedeckten Gipfel ringsumher entschädigte uns.

Letztlich stieg ich mit zwei Amerikanern, einem Engländer und vier überfüllten Reiserucksäcken in ein Mini-Cooper-großes Taxi und wir fuhren hinauf ins schlafende Vashisht.

Wenn ich eines in den vergangen Wochen gelernt habe, dann, dass es gut ist, zu entscheiden, was ich möchte, bevor jemand anders mir diese Entscheidung abnimmt…

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