LisPoeta – Marokko II (08. Februar 2017)

Die marokkanische Fahne

Die marokkanische Fahne

Falls Du Dich fragst, ob ich noch immer aus einer mit wifi ausgerüsteten Höhle im Atlas schreibe, weil wir im Schneesturm gefangen sind, kann ich Dich beruhigen. Auch wenn es eine Zeitlang nicht danach aussah, manövrierte uns unser Fahrer Hassan sicher durch die zugeschneiten Serpentinenstraßen des Atlas. Was war ich froh, als wir endlich wieder ins Flachland kamen, um die letzten Kilometer bis Marrakesch zurückzulegen – vor allem, weil es nicht mehr so eisig kalt war.

In Marrakesch blieben wir nur eine Nacht, da A. und ich uns einig waren, dass uns die Stadt auf die Nerven ging. Unser nächstes Ziel: Essaouira, ein kleiner Ort an der Atlantikküste.

Vorher aber:

Der LisPoeta Geheimtipp der Woche:

Cemitério dos Prazeres

Am Ende der berühmt-berüchtigten Straßenbahnlinie 28 findet sich der Friedhof Prazeres (das portugiesische Wort bedeutet übersetzt Freuden). Noch immer haftet einem Friedhofsbesuch bisweilen der Geruch des Morbiden an, aber sei dem so oder auch nicht, Du wirst diesen Ausflug nicht bereuen.

Grabmal und Statue auf dem Prazeres Friedhof

Grabmal und Statue auf dem Prazeres Friedhof

Zum einen bietet er Dir die Gelegenheit mit der Touri-Straßenbahn zu fahren (ich selbst habe sie bislang genau einmal benutzt und zwar im strömenden Regen auf dem Rückweg von Prazeres), wobei Du allerdings auf Deinen Geldbeutel achten solltest, da die Linie 28 ein bevorzugtes Ziel von Taschendieben ist. Wenn Du die Straßenbahn nehmen willst, versichere Dich, dass Du ausreichend Guthaben auf Deinem Viva Viagem Ticket hast, denn es ist unverhältnismäßig teuer, Einzeltickets in der Straßenbahn zu kaufen.

Ohnehin würde ich Dir empfehlen, zu Fuß zu gehen. Der Fußweg von der Praça Luís de Camões am Fuße des Bairro Alto beträgt ca. 3 km und führt Dich durch einige Viertel, die ein wenig abseits der Touristen-Routen liegen. Zudem kommst Du an der Basílica da Estrela und dem zugehörigen Jardim da Estrela vorbei, die beide einen Abstecher wert sind.

Basílica da Estrela

Basílica da Estrela

Der Friedhof selbst besteht aus mehreren schachbrettartig angelegten Sträßchen und die Grabmäler sind oft kleine Kunstwerke. Viele berühmte portugiesische Persönlichkeiten aus Kunst und Politik liegen hier begraben, doch selbst wenn Dich das ebensowenig interessieren sollte wie mich, ist Prazeres ein Ort der Ruhe, wo Du dem Trubel der Stadt für ein paar Minuten entfliehen kannst. Hinzu kommt ein fantastischer Ausblick auf die Ponte do 25 de Abril (das ist die Brücke, die aussieht wie die Golden Gate).

Blick auf die Ponte 25 de Abril

Blick auf die Ponte 25 de Abril

Ceméterio dos Prazeres

Ceméterio dos Prazeres

Wenn Dich nach dem Friedhofsbesuch der Hunger überkommt, hast Du zwei gute Optionen: entweder Du gehst in den Mercado do Campo de Ourique, das ist eine der alten Markthallen, die ähnlich wie der Time-Out-Market am Cais do Sodré aufgehübscht wurden und jetzt allerlei Gaumenfreuden anbieten (inkl. veganer Burger). Mir persönlich sind diese neuen Restaurant-Meilen etwas zu hipstermäßig aufgemacht, aber es gibt genügend Menschen, die sich dort vergnügen. Die zweite Option ist, nach Campo de Ourique selbst zu gehen und Dich in eine der kleinen Pastelarias zu setzen, denn für seine Gebäckspezialitäten ist das Viertel bekannt.

Nun aber zurück nach Marokko.

Essaouira

Früh am Morgen nach unserer Rückkehr nach Marrakesch machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof und nahmen einen Bus nach Essaouira. Welch Wohltat, als wir dort ankamen! Essaouira ist ein bezauberndes Städtchen an der Atlantik-Küste und außer den Männern, die beim Aussteigen am Busbahnhof auf uns warteten, um uns per Taxi in ein Guesthouse oder Hostel zu befördern, gab es niemanden, der uns etwas aufzwingen wollte.

Essaoira ist blau. Blaue Türen, blaue Fensterläden, blauer Himmel – alles blau.

Blaue Stadt am Atlantik: Essaouira

Blaue Stadt am Atlantik: Essaouira

Türen: blau

Türen: blau

Menschen: blau

Menschen: blau

Essaouira machte es einem – im Gegensatz zu Marrakesch – einfach es zu mögen. Wir schlenderten durch die Gassen der Medina und beobachteten die Menschen, die ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgingen. Obschon die Stadt den Ruf der „Windstadt“ Afrikas genießt, war es nicht besonders windig, als wir da waren – und im Vergleich zur Wüste und den Bergen, auch nicht sonderlich kalt.

Am Strand begegneten wir zwei Kamelführern, die Kamelritte anboten und unterhielten uns eine Weile mit ihnen. Ich streichelte die Kamele und war versucht, noch einmal auf eines zu steigen, ließ es aber letztlich, ohne dass die beiden deswegen beleidigt gewesen wären oder mich beschimpft hätten.

Die beiden Kamelführer am Strand

Die beiden Kamelführer am Strand

Ob sie sich auf meiner Terrasse wohl wohlfühlen würden?

Ob sie sich auf meiner Terrasse wohl wohlfühlen würden?

Essaouiras Strand: spiegelglatte Fläche

Essaouiras Strand: spiegelglatte Fläche

Junge beim Spiel am Strand

Junge beim Spiel am Strand

Die erste Nacht verbrachten wir in einem Hostel, kauften uns im Supermarkt ein paar Flaschen Wein und trafen uns mit H. und M., einem französischen Pärchen, das wir auf dem Trip in die Sahara kennen gelernt hatte. Beide leben in London. In dicke Jacken gemummelt saßen wir auf der Dachterrasse und tranken. Der Abend erwies sich jedoch als ausgesprochen anstrengend. A. und ich hatten das Gefühl, nebeneinander auf dem Sofa zu sitzen und jeweils mit einem der beiden Paartherapie zu betreiben. Mit jeder weiteren Flasche Wein steigerte sich der Dramenfaktor.

Meine anfänglichen Bedenken, mit A. zu reisen – den ich ja schließlich vor unserem gemeinsamen Trip kaum kannte – hatten sich unterdessen zerstreut. Zwar fiel es mir zunächst etwas schwer, weil er gänzlich anders war, als ich erwartet hatte – in meinem Unterricht war er ein eher stiller und aufmerksamer Schüler gewesen und auf dieser Reise erwies er sich als jemand, dessen Bestreben, im Mittelpunkt zu stehen, oftmals die Runde dominierte, welcher Zusammensetzung auch immer. Aber ich arrangierte mich damit.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich Anfang 20 war. Damals ging es mir ähnlich – ich brauchte die Aufmerksamkeit, um mich gut zu fühlen, um mich überhaupt als ich selbst zu fühlen. Fehlte sie mir, fühlte ich mich unwohl, nicht wahrgenommen, vielleicht sogar nichts wert. Ich weiß nicht, wie es Dir damit geht. Doch auch heute hat sich ein Teil davon in mir bewahrt. Ich muss das nicht mehr leben. Ich habe einige Freunde, deren Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen, sehr viel stärker ausgeprägt ist als meins. Dann trete ich einen Schritt zurück und werde sehr still. Kennst Du das? Falls ja, wie fühlst Du Dich dabei?

Jungs beim Fußballspiel am Strand

Jungs beim Fußballspiel am Strand

Sicht von der Dachterrasse unseres Apartments auf den Atlantik bei Essaouira

Sicht von der Dachterrasse unseres Apartments auf den Atlantik bei Essaouira

Für mich ist es noch immer eine Gratwanderung. Ich kann das mittlerweile, aber ich muss aufpassen, dass ich mir nicht ausgeschlossen vorkomme. Ich muss mir bewusst machen, dass es nichts über mich aussagt, wenn ich in einer Runde eher der stille Beobachter am Rande bin, als im Mittelpunkt zu stehen. Das ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als ich gewohnt war, das zu tun.

Es tat mir gut, mit A. darüber zu sprechen, als ich realisiert hatte, dass mich dieses Thema beschäftigte. Wir saßen auf einer Düne in der Sahara, es war mitten in der Nacht – über uns jener grandiose Sternenhimmel und eisige Kälte ringsumher.

Was uns zu wunderbaren Reisegefährten machte, war, dass wir uns Dinge sagen, die Meinung des anderen stehen lassen und den Freiraum, den wir beiden brauchten, respektieren konnten. Deshalb war es mir auch ein Bedürfnis, mit ihm darüber zu sprechen, was die Rolle, die er einnahm, mit mir machte. Danach wurde es leichter.

Ohnehin gab es auf der anderen Seite mehr Eigenschaften an ihm, die mich positiv überraschten.

Du weißt ja vielleicht, dass alles, was mit Gleichgewichtssinn zu tun hat, oft schwierig für mich ist. Ich hasse es, über irgendwelche Felsen zu krakseln und dergleichen. Schon als kleines Kind, wenn ich meinem Opa stolz präsentierte, dass ich auf den Apfelbaum geklettert war (zugegben, die Gabelung im Stamm, die ich erklommen hatte, war kaum 50 Zentimeter über dem Boden), lachte er mich dafür aus. Der Sportunterricht in der Schule machte es nicht besser – und bis ins Erwachsenenalter blieb mir der Spott meiner Freunde erhalten, was Körperfähigkeiten anging.

Sonnenuntergang am Strand von Essaouira

Sonnenuntergang am Strand von Essaouira

Mann beim abendlichen Strandspaziergang

Mann beim abendlichen Strandspaziergang

Als wir nun relativ am Anfang unserer Reise standen, mussten wir bei Aït-Ben-Haddou einen Fluss überqueren.  Es gab keine Brücke – nur Steine, wobei man von einem auf den nächsten springen musste. A. stand hinter mir, lachte, weil ich so lange brauchte, und schubste mich, sodass ich beinahe das Gleichgewicht verloren hätte.
Mach das nie wieder! fauchte ich. Das ist meine Schwachstelle.

Sorry, murmelte er geknickt, als er verstand, dass es mir ernst war.

Von diesem Zeitpunkt an reichte er mir jedes Mal die Hand, wenn er das Gefühl hatte, dass eine Situation für mich schwierig sein könnte. Diese Geste hat mich echt berührt. Mehr als alle Worte es vermocht hätten.

Ähnlich war es, wenn er nach einer Nacht in einem der kalten Hostels vor mir aufstand und, während ich noch schlief, seine Decken über mir ausbreitete, damit ich nicht fröre. Aufgrund solcher Gesten war es keinerlei Problem, dass wir uns gelegentlich anpampten, wenn einer von uns hungrig oder müde war. Es spielte einfach keine Rolle mehr.

Aber zurück. In Essaouira blieben wir drei Nächte. Dann ging es weiter nach El Jadida.

Sesselfurzen auf Marokkanisch – El Jadida

Die Fahrt dauerte gute sechs Stunden in einem sehr viel schlechteren Bus als dem, der uns von Marrakesch nach Essaouira gebracht hatte. Es stank, der Fahrer war ein verhinderter Formel-I-Pilot und neben uns kotzte eine Frau in eine Plastiktüte. Die Strecke an der Küste entlang wog das allerdings wieder auf.

Wir saßen beinahe ganz hinten, zumindest am Anfang der Fahrt – dann kam der Busboy nach einem Stop zu uns und meinte, wir müssten uns weiter vor setzen. Dafür gab es keinen Grund und A. hasste solche sinnlosen Anweisungen. Da wir nicht umziehen wollten, weigerte es sich beharrlich, bis ich ihn irgendwann zum Einlenken bewegte, da der Busboy nicht aufhörte, zu insistieren. Schnell fanden wir heraus, weshalb. Eine Frau, die vor uns saß, wechselte ihren Platz und verschwand nach hinten. Schwuppsdiwupps saß der Busboy neben ihr – den Rest überlasse ich Deiner Phantasie.

Noch spannender wurde das Ganze, als die Gute an einem der Stopps inmitten der Strecke ausstieg und von ihrem Freund abgeholt wurde. Wir beobachteten die Wiedersehensfreude von unserem Platz in einer der vorderen Reihen aus. Die kleinen Lügengeschichten des Alltags.

El Jadida selbst war eher unspektakulär – wir blieben nur einen Abend, liefen ein wenig herum, aßen Pizza (wie tags zuvor), weil wir vollkommen ausgehungert waren und A. jeder weitere Meter Suche nach einer Alternative unzumutbar erschien. Später ließen wir uns von einem marokkanischen Barbier rasieren – das erinnerte mich an Indien, die einzige Zeit in meinem Leben, wo ich das nicht selbst gemacht hatte. Danach gingen wir zurück ins Hotel.

Morgenritual: Zeitung lesen im Kaffeehaus in El Jadida

Morgenritual: Zeitung lesen im Kaffeehaus in El Jadida

El Jadida im Abendlicht

El Jadida im Abendlicht

Natürlich war es bitterkalt im Zimmer. Auf die Frage, ob wir noch eine Extra-Decke haben könnten, antwortete der Portier, selbstverständlich. Wir folgten ihm in ein Zimmer und er stellte fest, dass es in dem für Reserve-Decken vorgesehen Schrank nur noch eine gab. Das Zimmer stand aber, genau wie das halbe Hotel, leer. Auf den Betten lagen drei Decken. Ob wir nicht eine von denen haben könnten?

Nein. Der Portier, ein junger Mann Anfang 20, blieb unerbittlich. Nur Decken aus diesem Schrank, sonst nichts.

Warum wir nicht eine der Decken aus diesem oder einem anderen Zimmer haben könnten, die doch leerstünden.

Das ist verboten.

Wir stöhnten.

Ob wir ihm vielleicht Geld geben sollten, damit wir eine Extra-Decke bekämen?

Über seine Antwort lachte ich noch den Rest des Abends: Do you want to bribe me?

Paragraphenreiterei auf Marokkanisch.

Nein, ich will Dich nicht bestechen, Du kleiner Sesselfurzer, ich will nur nicht bei Null Grad nachts mit nur einer Decke schlafen, weil die anderen Decken zwingend in leeren Zimmern liegen müssen und keinesfalls erst morgen zurückgebracht werden dürfen.

Ich sprach es nicht aus.

Als wir – ohne Decke – bei unserem Zimmer auf dem Dach ankamen, sahen wir, dass frisch gewaschene Decken auf der Wäscheleine hingen. Obwohl das Hotel zum Glück zu unserer eigenen Sicherheit Video überwacht wurde, waren wir so frei. Wir entführten eine solche Decke in unser Zimmer. Später fragte ich mich, ob es wohl die war, die mir die Bettwanzen-Bisse bescherte, die mich noch tagelang verfolgen sollten, wohingegen A. verschont blieb. Die Wege des Herrn – Du weißt schon.

The beginning of a wonderful friendship – Casablanca

Tags darauf fuhren wir erstmals mit dem Zug – und zwar nach Casablanca. Viele Leute meinten, es sei es nicht wert, dorthin zu fahren, doch ich wollte mir lieber mein eigenes Urteil bilden. Ohnehin mag ich Städte. Außerdem hatte ich als Jugendlicher den Film mit Humphrey Bogart gesehen und, so absurd das klingen mag, das war ein Grund für mich, dorthin zu fahren.

Junger Mann und das Meer, Casablanca

Junger Mann und das Meer, Casablanca

Boxtraining: Jungs in Casablanca

Boxtraining: Jungs in Casablanca

Graffitit in Casablanca

Straßencafé in Casablanca

Straßencafé in Casablanca

Die Unterkunftssuche in Casablanca gestaltete sich schwieriger als gedacht, zudem war es teurer als die meisten anderen Orte in Marokko. Letztlich fanden wir ein Zimmer in einem kleinen Guesthouse, das sich jedoch als Partyhostel erwies. Alle waren ständig am Kiffen und Saufen – und das, wo ich doch eigentlich nur eins wollte: meine Ruhe. War mir zu viel Action – aber was soll’s, die Stimmung war trotzdem gut und wozu gibt es Ohrstöpsel? Die Freundin des Hostelbesitzers schoss sich allerdings jede Nacht so ab, dass sie nicht mehr stehen konnte und immer wieder aufs Gesicht fiel…

Nachdem wir unser Gepäck abgelegt hatten, streiften A. und ich durch die Medina. Ich weigerte mich, den dritten Tag in Folge Pizza zu essen, also suchten wir nach einer Alternative, die nach Möglichkeit nicht aus Tagine bestand, da keiner von uns beiden das mehr sehen konnte. Ein älterer Mann fragte uns, ob er uns behilflich sein könne. Naturgemäß waren wir nach unseren Erfahrungen mit freiwillig angebotener Hilfe skeptisch, ließen uns aber letztlich doch darauf ein, den Fisch-Imbiss auszuprobieren, den er empfahl.

Wir hatten uns eben gesetzt, da tauchte der Mann aus dem Nichts wieder auf und setzte sich zu uns. Er begann sich mit A. auf Französisch zu unterhalten. Ich verstehe zwar ein bisschen, zum Sprechen aber reicht es bei Weitem nicht. Nach einer Weile gesellte sich noch ein weiterer älterer Mann hinzu und beteiligte sich ebenfalls an der Unterhaltung. Die beiden schienen super nett. Während dieses Gesprächs kamen die drei auch aufs Kiffen und A. meinte, dass er Lust habe, einen Joint zu rauchen. Dabei könnten sie behilflich sein, meinten die beiden und mir schwante nichts Gutes. Dennoch folgten wir ihnen nach dem Essen in ein schummrigesCafé in der Medina. Dicke Marihuana-Schwaden schlugen uns entgegen, kaum, dass wir den Laden betraten.

A., der im Allgemeinen der deutlich kritischere von uns beiden war und sich kaum je auf irgendein Gespräch mit Marokkanern einließ, war ganz begeistert davon, wie angenehm die beiden waren.

Casablanca - Straßenimpressionen

Casablanca – Straßenimpressionen

Frau beim Brotbacken

Frau beim Brotbacken

Oben stand ein Billiard-Tisch, um den her mehrere Marokkaner standen, spielten oder zusahen. Wir setzten uns und bestellten Kaffee. Dann holte der zahnlose der beiden Männer ein Stück Dope aus der Tasche, drehte einen Joint und reichte ihn weiter. A. rauchte. Zwei Minuten später meinte der Zahlose: 500 Dirham – das ist das Minimum, was Du kaufen kannst.

Minimum traf es gut, denn der Preis für dieses läppische Stück war tatsächlich lächerlich hoch. Ich selbst war ohnehin nicht an Dope interessiert, insofern verfolgte ich das Gespräch nicht wirklich. Hinzu kamen wie gesagt meine mangelnden Französisch-Kenntnisse. Spannend war indes, dass ich, ohne irgendwas zu verstehen, mitbekam, wie sich die Stimmung in unserer kleinen Runde binnen Sekunden von freundschaftlich zu aggressiv veränderte, sobald A. signalisierte, dass er nicht daran interessiert war, etwas zu kaufen.

Tja, und wieder begann das übliche Spiel. Drohungen, Beleidigungen etc.. Letztlich blieb uns nichts anderes: Wir sahen, dass wir wegkamen – was gar nicht so einfach war. Als wir schließlich draußen waren – die beiden natürlich im Schlepptau – bogen wir im strömenden Regen schnell in eine Seitengasse ab und suchten das Weite. Das gelang zu unserer Überraschung tatsächlich – für gewöhnlich tauchen Verfolger in Marokko stets nach wenigen Metern wieder auf. Naive Abschüttel-Manöver funktionieren praktisch nie. Unsere Lust, abends noch einmal in die Stadt zu gehen, hatte sich mit diesem Erlebnis allerdings verflüchtigt.

Wolkenbruch in Casablanca

Wolkenbruch in Casablanca

Tags darauf besuchten wir die drittgrößte Moschee der Welt: die direkt am Meer errichtete Hassan-II.-Moschee. Innerhalb von nur sechs Jahren errichtet (fertiggestellt 1993) gehört sie unterdessen zu den Wahrzeichen der Stadt. Wobei sie von außen gefälliger ist als von innen, wenn Du mich fragst. Aber klar – sechs Jahre sind eben auch eine sehr kurze Zeit…

Alles in allem mochte ich Casablanca. Die Atmosphäre in der Stadt ist entspannter als in Marrakesch, sie ist moderner, kosmopoliter würde ich sagen, was es für mich als Europäer leichter machte. Dennoch neigte sich unsere Zeit in Marokko dem Ende entgegen.

Innenraum der Moschee

Innenraum der Moschee

Moschee am Meer

Moschee am Meer

Hunderte Möwen umkreisen permanent die Moschee

Hunderte Möwen umkreisen permanent die Moschee

Hassan II Moschee, Detail

Hassan II Moschee, Detail

Höchstes Minarett der Welt

Höchstes Minarett der Welt

Als wir zurück ins Hostel kamen, entschieden wir eben so spontan, wie wir uns zu der Reise entschieden hatten, am nächsten Tag zurückzufliegen.

Gesagt getan – Samstag Abend waren wir zurück in Lisboa. Und obwohl es hier gerade Winter ist und fast ständig regnet, freute ich mich, zurück in meine entspannte Heimatstadt zu kommen!

Das war es erstmal für heute! Du hörst von mir – und das soll keine Drohung sein…

Dein LisPoeta

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