Kate-Nash-Konzert am 19.11.2012 in Köln – Ein Nachklang

Wer in der Werkstatt in Köln Ehrenfeld gestern zum Kate-Nash-Konzert kam und seichten Pop à la Backstreet Boys, Justin Timberlake oder Britney Spears erwartete, wurde mit Sicherheit enttäuscht, und das, obwohl die CD, die die Wartezeit bis zum Auftritt der Britin verkürzen sollte und auf der sämtliche Pop-Größen der vergangenen Dekaden vertreten waren, eben diesen zu verheißen schien. Dann aber kam alles ganz anders.

Pünktlich zum angegebenen Konzertbeginn trat Nash’s musikalische Wegbereiterin des Abends, Shuga, auf, eine Solo-Künstlerin, die die Ohren des Publikums mit ihrer Gitarre und fehlgeleiteten Tönen malträtierte, sodass manch einer dankbar war, als nach zwanzig Minuten wieder die altvertrauten Stimmen der Backstreet Boys aus den Boxen erklangen.

Eines allerdings stand nach Shugas Auftritt fest – der Abend konnte nur besser werden. Das wurde er auch.

Kate Nash zeigte sich in der Werkstatt von einer unerwartet rockigen Seite, die allenfalls in Anklängen bereits auf ihrem zweiten Album My best friend is you zu erahnen waren. Im Hintergrund flimmerten verschiedene Videoszenen über die Leinwand und untermalten die Show mit skurril-komischen Szenen, während Kate auf der Bühne unverkennbar einen Heidenspaß hatte. Durch unvorhergesehene kleine Malheurs wie beispielsweise den Verlust eines Haargummis ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen, sondern summte eine fröhliche kleine Melodie mit den Zuschauern, während sie sich dem Flechten eines neuen Zopfes widmete – eine junge Frau aus den ersten Reihen hatte ihr ihren Haargummi geschenkt und war dafür mit einem Freigetränk belohnt worden.

Schon zu Beginn verhieß Kate Nash dem Publikum, dass sie hauptsächlich Songs aus ihrem neuen Album Girl Talk spielen werde, das in den kommenden Wochen veröffentlicht wird. Zudem präsentierte sie den Song Death Proof aus der gleichnamigen EP, die gestern erschien.

Zugegebenermaßen war ich zum ersten Mal auf einem Konzert von Kate und kannte bislang nur ihre Studioalben. Umso beeindruckter war ich von der Vielseitigkeit, die die 25-Jährige gestern darbot. Das Spektrum reichte von Liedern, die abgesehen vom stets ironischen Text durchaus als Balladen angesehen werden könnten, über ihr in Deutschland vielleicht bekanntestes Lied Foundations aus ihrem ersten Album Made of Bricks, das die Fans zum Singen und Springen brachte, bis hin zu Stücken, die an den Psychedelic-Rock der ausgehenden Sechziger Jahre erinnerten. Hierbei wirbelte Nash wie ein Derwisch über die Bühne und ihre Stimme schraubte sich zu Yoko-Ono-artigen Höhen hinauf.

Das Bühnenkonzept von Kate Nash gehorchte vor allem einem Leitmotiv:

Be sexy!

Dementsprechend räkelte sich die Britin vor ihrem Mikro, flötete und schäkerte, ohne dabei je jene unterschwellige Selbstironie zu verlieren, die ihren kompletten Auftritt unterfütterte.

Selbst im Moment, als sie zu Solidarität mit den inhaftierten russischen Musikerinnen der Band Pussy Riot aufrief, ließ ihr Kommentar „well, you know, we should all understand each other and stuff“ mich herzlich auflachen. Ganz abgesehen vom den Russinnen gewidmeten Song Free my pussy – dessen sexuellen Gehalt Kate durch ein liebliches Katzenmiauen konterkarierte.

Alles in allem war der Konzertabend mit Kate Nash durchaus lohnend, für mich persönlich in seiner Vielseitigkeit auch überraschend. Voller Spannung harre ich nun der Veröffentlichung von Girl Talk und freue mich darüber, eine Künstlerin zu erleben, die in den vergangenen fünf Jahren offenbar einen interessanten persönlichen Entwicklungsprozess hinter sich hat, der sich in ihrer Musik widerspiegelt.

Dies ist auf jeden Fall interessanter als der allzeit gleiche, weichgespülte Pop besagter CD, die das Team der Werkstatt nach Ende des Konzerts erneut auflegte, um die Zuschauer so schnell wie möglich wieder hinaus in die Kälte der Novembernacht zu treiben.

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