Kashan und Esfahan – Selbstgeißelung und architektonische Wunder

Abendstimmung in Kashan

Abendstimmung in Kashan

„Ich sah diesen faszinie-renden Hubschrauber im Landeanflug. Klick, ein Foto. Klick, noch eins. Plötzlich stürmte eine Gruppe breitschultriger Uniformier-ter auf mich zu. Gewehr im Anschlag.

What you do, Mister?

Mir wurde heiß.

Just a foto, lächelte ich verlegen.

You come with us. Fotos not allowed. Military. You explain. Police must ask questions.

Und schon saß ich auf der Rückbank eines Militärwagens. Hinter mir wurde die Tür zugeschlagen.“

Aber ich greife vor. Immer langsam mit den jungen Pferden.

Kashan

Eshan, traditionelles Hotel in Kashan

Eshan, traditionelles Hotel in Kashan

Nachdem ich Teheran hinter mir gelassen hatte, verbrachte ich zwei Tage in einem traditionellen Hotel in Kashan. Traditionelle Hotels sind historische iranische Häuser, die in Hotels umgewandelt wurden. Meines hatte einen weitläufigen Innenhof. In seiner Mitte befand sich ein Wasserbecken, um das herum verschiedene Teppich-Sitzgruppen verteilt waren. Die Eingangstüren zu den Zimmern sind so niedrig, dass ich mich am zweiten Tag fragte, wie oft ich wohl noch vergessen könnte, mich zu ducken, wenn ich die Stufen aus dem Bad hinaufstieg.

Kashan ist ein beschauliches Städtchen. Ein paar historische Häuser, eine kleine Moschee, ein Basar. Dennoch fühlte ich mich von an Anfang an wohl. Der Empfang im Hotel war herzlich und Atir, die Dame an der Rezeption erzählte mir, dass sie kurz zuvor begonnen hatte, Deutsch zu lernen. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort Farsi (Persisch) sprach, schlug ich ihr vor, am folgenden Abend ein Tandem Deutsch-Farsi zu machen, worauf sie sich gern einließ.

Kashan, Abendstimmung

Kashan, Abendstimmung

Die letzten Tage des Monats Muharram waren angebrochen – ein Trauermonat im muslimischen Kalender, in dem der Ermordung Imam Husseins gedacht werden soll, eines Enkels des Propheten Mohammed. Die Geschichte des Imam Hussein erinnert alles in allem sehr an die Geschichte Jesu‘.

Die Städte sind von schwarzen Flaggen übersät, überall hängen schwarze oder grüne Transparente, sogar das Wasser in Kashans Brunnen war rot gefärbt. Das Ganze wirkte im ersten Moment sehr düster auf mich, allerdings erzählte Atir mir, dass das Fest eher Karnevals-Charakter habe. Vor allem die jungen Mädchen liebten es, weil sie bis zwölf Uhr nachts auf der Straße bleiben durften. Musik-Gruppen mit riesigen Trommeln zogen durch die Stadt, dazu ertönte Gesang.

Muharram in Kashan - blutrote Brunnen

Muharram in Kashan – blutrote Brunnen

Nach zwei Tagen in Kashan zog ich am vorletzten Tag des Muharam weiter nach Esfahan. Schon die beiden Stunden mit Atir genügten, dass ich einige Jungs am Busbahnhof in Erstaunen versetzen konnte, weil ich ein paar Brocken Farsi sprach. Die Sprache ist mir fremd, allerdings erscheint sie mir einfacher als Georgisch oder Armenisch. Zudem verspürte ich von Anfang an eine gewissen Neigung, mich mit ihr auseinanderzusetzen.

Esfahan

Esfahan gilt als die schönste Stadt im Iran. Nach einer knapp dreistündigen Busfahrt durch Ödland, Berge und ein riesiges Militär-Areal, in dem Raketen gen Himmel zeigten, erreichte ich den Busbahnhof in Esfahan. Da ich unterdessen die Zahlen beherrschte, hatte ich mir vorgenommen, mich nicht wieder von Taxifahrern abzocken zu lassen. Eigentlich sind die Iraner sehr zurückhaltend damit, Touristen auszunehmen – ganz im Gegenteil zu den Indern – das gilt allerdings nicht für die Taxifahrer.

Hatte ich jedoch geglaubt, dies würde ich ändern, weil ich auf Farsi sagen konnte, was ich zu zahlen bereit war, hatte ich mich geirrt. Aus zwei Taxis stieg ich wieder aus, weil der Fahrer mir einen 100.000 Rial-Schein hinhielt, während ich gesagt hatte, dass ich ein Sammeltaxi wollte und nicht mehr als 10.000 Rial zahlen würde. Erst beim dritten Versuch hatte ich Glück und kam zumindest für 30.000 Rial in die Stadt.

Es war erst früher Nachmittag, sodass ich mich auf den Weg machte, die Stadt zu erkunden. Der Imam-Platz in Esfahan ist der zweitgrößte Platz der Welt. An seiner Seite erheben sich die Kuppeln zweier Moscheen und ein Palast. In seiner Mitte befindet sich ein Wasserbecken mit Springbrunnen.

Esfahan, Imam-Platz

Esfahan, Imam-Platz, Sheik-Lotfolloh Moschee

Esfahan, Sheik-Lotfollah-Moschee

Esfahan, Sheik-Lotfollah-Moschee

Moschee, Imam Square, Esfahan

Schah-Moschee, Imam Square, Esfahan

Moschee, Imam Square, Esfahan

Schah-Moschee, Imam Square, Esfahan

In den angelegten Gärten sitzen die Perser und unterhalten sich, rauchen oder spielen Fußball. Fußball scheint ohnehin das Lieblingsthema der Männer hier. Jeder fühlt sich berufen, mir zur Weltmeisterschaft der Deutschen zu gratulieren. So sie auch keine Ahnung von Deutschland haben mögen, so kennen sie doch zumindest den Namen eines Fußballvereins oder einzelner Spieler.

Iranische Jungs auf dem Imam-Square in Esfahan: Lieblingsbeschäftigung Fußball

Iranische Jungs auf dem Imam-Square in Esfahan: Lieblingsbeschäftigung Fußball

Esfahan Abendstimmung

Esfahan Abendstimmung

Imam-Square, Esfahan

Imam-Square, Esfahan

Und natürlich Hitler. Nirgends außer im Iran wurde ich bislang mit Aussagen wie Hitler good! oder Hitler great man! Very good emperor! konfrontiert. Bei derlei Geschwätz die Höflichkeit zu wahren, fällt mir schwer. Allerdings habe ich es bislang geschafft, nicht aus der Rolle zu fallen, wenngleich ich natürlich widerspreche. Nur ist es ausgesprochen schwierig, mit Menschen zu diskutieren, die praktisch kein Englisch sprechen. Die Geste des Halsdurchschneidens in Kombination mit He killed millions versteht jedoch noch der Dümmste. Auf weitere Diskussionen lasse ich mich nicht ein. Wenngleich ich mich frage, weshalb eine deutsche Supermacht besser sein sollte als die amerikanische, die die Iraner doch offensichtlich so verabscheuen.

Auch solche Schriftzüge gehören leider zum Alltag im Iran.

Auch solche Schriftzüge gehören leider zum Alltag im Iran.

Ashura – letzter Tag des Muharram

Mein zweiter Tag in Esfahan war Ashura, der letzte Tag des Monats Muharram. Schon früh am Morgen zogen riesige Prozessionen durch die Straßen der Stadt. Schwarz gekleidete Männer, die sich symbolisch selbst geißelten. Dazu benutzten sie Holzstangen, an deren Ende mehrere Eisenketten angebracht waren. Auch schlugen die Menschen sich rhythmisch auf die Brust. Die Iraner, die ich fragte, versicherten mir jedoch, dass dies nicht schmerzhaft sei.

Ashura-Prozession auf den Straßen von Esfahan

Ashura-Prozession auf den Straßen von Esfahan

Ashura-Prozession auf den Straßen von Esfahan

Ashura-Prozession auf den Straßen von Esfahan

Auch die Kleinen sind dabei: Ashura-Prozession auf den Straßen von Esfahan

Auch die Kleinen sind dabei: Ashura-Prozession auf den Straßen von Esfahan

Mit der Prozession kamen Musikgruppen daher, die mit riesigen Trommeln durch die Straßen zogen. Einzelne Männer intonierten einen Klagegesang, der von den Marschierern aufgegriffen wurde. Der Imam-Platz war voller Menschen. Kinder tollten ausgelassen herum.

Trommler beim Ashura-Fest

Trommler beim Ashura-Fest

Kinder beim Ashura-Fest

Kinder beim Ashura-Fest

Allenthalben wurde kostenlos Chai oder heiße Schokolade ausgeschenkt. Sollte ich geglaubt haben, dass die religiösen Gebräuche der Muslime exklusiv Gläubigen vorbehalten seien, so irrte ich. Jeder war herzlich eingeladen. Auch Essen wurde auf den Straßen ausgegeben, worauf ich als Neu-Vegetarier allerdings verzichten musste. Das Thema Vegetarismus erweist sich im Iran im Allgemeinen als problematisch. Die meisten Restaurants bieten beinahe ausschließlich Kebabs und dergleichen Fleischgerichte an. Bisweilen findet sich ein vegetarisches Gericht auf der Speisekarte. In der Woche im Iran habe ich vermutlich mehr Auberginen gegessen als in den fünf Jahren zuvor. Obwohl ich auf Farsi sagen kann, dass ich kein Fleisch und kein Hühnchen esse – das ist in all diesen Ländern nämlich nicht das gleiche – schauen die Menschen mich verständnislos an. Wie kann jemand kein Fleisch essen, scheinen sie sich zu fragen.

Chai-Stand beim Ashura-Fest

Chai-Stand beim Ashura-Fest

Manchmal scheint die Trommel größer als der Trommler: Ashura-Fest in Esfahan

Manchmal scheint die Trommel größer als der Trommler: Ashura-Fest in Esfahan

Wie so oft sah ich mich binnen Kurzem umringt von einer Gruppe 14-jähriger Jungs, die mich aus strahlenden Augen anblickten. Vermutlich ist dieser Blick der Grund, weshalb ich dieses Alters so mag: in diesem Blick liegt eine schier unbezähmbare Neugierde auf das Leben. Jeder Augenaufschlag spricht von der Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft. Alles Fremde saugen sie voller Begeisterung in sich auf.

Iranische Teenager: neugierig auf die Welt und das Leben

Iranische Teenager: neugierig auf die Welt und das Leben

Nach einer Weile verließ ich den Imam-Platz und machte mich auf in Richtung Masjed-e Jameh, einer weiteren Moschee, bei der ich an diesem Tag jedoch nie angelangen sollte. Auf dem Weg dorthin sprach mich nämlich Ali Reza an, ein Iraner, der ein wenig älter war als ich selbst und sehr gut Englisch sprach. Fortan begleitete er mich an diesem Ashura-Tag und nichts Besseres hätte mir geschehen können. Zunächst zweifelte ich an seinen Motiven, war mir doch aus Indien lebhaft in Erinnerung geblieben, dass die meisten Menschen sich für mich als Touristen nur interessieren, weil sie sich etwas von mir erhoffen. Nicht so jedoch Ali Reza. Von ihm erfuhr ich den Hintergrund der Ermordung des Imam Hussein und führte mich zu einer Zeremonie, die ich ohne ihn kaum gefunden hätte. An verschiedenen Orten in der Stadt spielten die Menschen die Geschehnisse nach. Wir gelangten in ein Zelt, wo verschiedene Männer und Jungen in Ritter-Kostümen auf Pferden oder Kamelen saßen. Andere trugen die Gewänder der Wüste, gewaltige Säbel baumelten an ihren Seiten. Faszinierend.

Ermordung Imam Husseins: Ashura-Theater

Ermordung Imam Husseins: Ashura-Theater

Ashura-Zeremonie in Esfahan: die Frauen sitzen separat.

Ashura-Zeremonie in Esfahan: die Frauen sitzen separat.

Ali Reza, mein Begleiter für den Ashura Tag

Ali Reza, mein Begleiter für den Ashura Tag

Den Nachmittag verbrachte ich allein, abends aber traf ich mich wieder mit Ali Reza. Mit seinem Auto fuhren wir über den Fluss, der seit Monaten kein Wasser führt, und gelangten in den Süden der Stadt. Auf einem der ältesten Friedhöfe der Welt fanden weitere Zeremonien zur Feier des Ashura-Tages statt. Zugleich befinden sich auf diesem Friedhof die Gräber der Abertausenden von Soldaten, die im Krieg zwischen Iran und Irak in den 80-er Jahren gefallen waren.

Friedhof in Esfahan

Friedhof in Esfahan

Uralter Friedhof im Süden Esfahans am Ashura-Tag

Uralter Friedhof im Süden Esfahans am Ashura-Tag

Mausoleum auf dem Friedhof in Esfahan

Mausoleum auf dem Friedhof in Esfahan

Gefallen, welch ein Euphemismus. Jedes einzelne Grabmal zierte eine Tafel mit einer Fotografie des Getöteten. Es ist dies jene Art Ort, die eine tiefe Traurigkeit in mir weckt. Die meisten der ermordeten Soldaten waren kaum mehr als Kinder, teils gerade mal 15 Jahre alt, wie beispielsweise Ali Rezas Cousin, dessen Grab wir besuchten.

Ali Rezas Cousin, gefallen im Krieg zwischen Iran und Irak

Ali Rezas Cousin, gefallen im Krieg zwischen Iran und Irak

Dennoch feierten die Menschen auch an diesem Ort fröhlich. Mir schlug die gleiche Herzlichkeit entgegen, die mir bislang überall in diesem Land begegnet ist. Hatte ich beispielsweise damit gerechnet, dass die Frauen komplett verhüllt seien und züchtig zu Boden schauten, ist eher das Gegenteil der Fall. Zwar gilt für alle das Gesetz, das Haar zu bedecken, doch sind die Mädchen ähnlich neugierig und offen wie die Jungen. Oft werde ich angelächelt oder angesprochen – oft sind es die Mädchen in der Familie, die am besten Englisch sprechen. Der Frauenanteil an den iranischen Universitäten liegt so hoch, dass sich der ehemalige Präsident Ahmadinejad genötigt sah, eine Männerquote einzuführen.

Als ich die mit Ali Reza auf dem Friedhof stand, umgeben von den Porträts der im Krieg gestorbenen Jugendlichen, mit all den Erfahrung von Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft meiner ersten Tage in diesem Land, wurde mir mit einem Mal weh ums Herz.

Ich wünschte, sagte ich zu Ali Reza, ich wünschte, dass all die Menschen hierher kämen, die glauben, der Iran sei das Reich des Bösen. Ich wünschte, sie alle könnten sehen, mit welcher Herzlichkeit und Offenheit die Perser Fremde empfangen. Es macht mich so traurig, den Unterschied zwischen dem, was wir in Europa von euch vermittelt bekommen und der Realität zu erleben.

Und das war, was ich in diesem Moment fühlte. Eine tiefe Traurigkeit ob all der Lügen, die uns trennen, wo es doch so vieles gibt, was uns Menschen eint.

All die Verleumdungen. All die Berichterstattung, mit der ich in unseren Medien über Jahre hinweg zugeschüttet worden war – nichts davon hatte auch nur im Ansatz mit der Wirklichkeit zu tun, wie sie mir im Iran begegnete. Mag sein, dass dies das schönste Land ist, das ich je bereist habe. Zu den faszinierendsten gehört es allemal.

Nachdem wir den Friedhof verlassen hatten, brachte mich Ali Reza zu einer alten Brücke am Fluss, die nächtlich beleuchtet war. Die Brücke war zu Zeiten der Schahs errichtet worden, sodass eine Loge über den Wassern (die es damals noch gab, weil der Staudamm, der den Fluss von Esfahan fernhält, noch nicht errichtet war) allein der königlichen Familie vorbehalten war. Noch heute ist diese Loge stets verschlossen und Besuchern nicht zugänglich.

Nächtliche Brücke in Esfahan

Nächtliche Brücke in Esfahan

Später bat ich Ali Reza, mich ins Hostel zu bringen, weil ich müde war. Es war ein langer Tag gewesen.

Ein Abenteuer mit dem Militär

In meinem Zimmer saß Ma Qui, ein Chinese aus Peking, und lächelte mich freundlich an. Als er sagte, dass er bereits seit zwei Tagen in Esfahan sei, wunderte ich mich, da er zuvor nicht im Hostel gewesen war. Auf meine Frage, weshalb er das Hostel gewechselt habe, entgegnete er, das habe er nicht, er habe einen Chai mit ein paar Polizisten getrunken.

Ich wollte wissen, was er damit meinte.

„Ich sah diesen faszinierenden Hubschrauber im Landeanflug“, begann er. „Klick, ein Foto. Klick, noch eins. Plötzlich stürmte eine Gruppe breitschultriger Uniformierter auf mich zu. Gewehr im Anschlag.

What you do, Mister?

Mir wurde heiß.

Just a foto, lächelte ich verlegen.

You come with us. Fotos not allowed. Military. You explain. Police must ask questions.

Und schon saß ich auf der Rückbank eines Militärwagens. Hinter mir wurde die Tür zugeschlagen.“

Ich schluckte. Er saß mir gegenüber und lächelte unbeirrt.

Und dann? wollte ich wissen.

Dann hätten sie ihn mit aufs Polizeirevier genommen. Auf sieben verschiedenen Polizeistationen sei er alles in allem gewesen, habe die gleichen Fragen beantworten müssen, immer und immer wieder. Wen er kenne im Iran. Wie die Namen der Eltern dieser Person seien. Der Großeltern. Was er hier mache.

Diese ganze Prozedur dauerte zwei Tage und endete vor dem Hohen Gericht. Dort ließ ihn der Richter letzten Endes großmütig gehen, wenngleich er ihm zuvor versicherte, dass er ihn für die Aufnahme militärischer Einrichtungen ebenso gut mit drei Jahren Gefängnis hätte bestraft werden können.

Ma Qui trug es mit Fassung. Ich bezweifle, dass ich es ähnlich ruhig ertragen hätte, obwohl wir einer Meinung waren, dass es eine wundervolle Geschichte war, um sie später zu erzählen. Wie die meisten Ereignisse, die einem Gänsehaut und Angstschweiß verursachen, während man sie erlebt.

Wunder der islamischen Architektur

Meinen vorletzten Morgen in Esfahan widmete ich dem Besuch der Moscheen Masjed Sheikh Lotfollah und Masjed Shah. In der Masjed Shah wurden gerade die Zelte des Ashura-Festes abgebaut, dennoch konnte ich die verschiedenen Höfe und Hallen besuchen.

Masjed Shah - Schah-Moschee in Esfahan

Masjed Shah – Schah-Moschee in Esfahan

Geistliche im Hof der Masjed Shah, Esfahan

Geistliche im Hof der Masjed Shah, Esfahan

Obschon ich eigentlich kein Sightseeing-Fan bin, ist die islamische Architektur schlicht umwerfend. Nicht allein die Architektur selbst, wenngleich jedes einzelne Gewölbe sich vom nächsten unterscheidet, sondern das Spiel des einfallenden Lichts ist es, was die Moscheen so unvergleichlich macht.

Lichtspiel im Säulenwald der Masjed-e Jameh

Lichtspiel im Säulenwald der Masjed-e Jameh

Gewölbe in der Masjed-e Jameh, Esfahan

Gewölbe in der Masjed-e Jameh, Esfahan

Gewölbe in der Masjed-e Jameh, Esfahan

Gewölbe in der Masjed-e Jameh, Esfahan

Ein ums andere Mal musste ich innehalten, schier überwältigt von der Schönheit des Moments. Noch beeindruckender war schließlich die Masjed-e Jameh, die ich tags darauf besuchte. Hunderte von Säulen, verschiedenen Gewölben und Sälen erstreckten sich um einen sonnenbeschienenen Innenhof. Jeder Schritt barg eine neue Überraschung.

Das macht das Besichtigen von Moscheen und Palästen im Iran zu einem Vergnügen. Es ist spannend. Zudem liegt mir die islamische Ästhetik mehr als die goldüberladenen Kirchen der Katholiken.

Alter Mann beim Gebet, Masjed-e Jameh

Alter Mann beim Gebet, Masjed-e Jameh

Lichtspiel in der Masjed-e Sheik Lotfollah

Lichtspiel in der Masjed-e Sheik Lotfollah

Lichtspiel in der Masjed-e Sheik Lotfollah

Lichtspiel in der Masjed-e Sheik Lotfollah

Generation Selfie

Den Nachmittag verbrachte ich mit Adrien, einem Franzosen, der nach Abschluss seines Bauingenieur-Studiums beschlossen hatte, von Frankreich über die Ukraine, Georgien, Armenien über den Iran und Zentralasien nach China zu reisen, um den Spuren des Akkordeons zu folgen. Er zieht mit seinem eigenen Akkordeon umher und sucht die Einflüsse dieses Instruments in den verschiedenen Ländern, nimmt zusammen mit einheimischen Musikern traditionelle Musikstücke auf und folgt nun der Route der alten Seidenstraße.

Mit ihm suchte ich einen Computer-Laden in Esfahan, da er sich in Shiraz einen nicht funktionstüchtigen Computer hatte andrehen lassen, den er reparieren lassen wollte. Nicht zuletzt um endlich seinen Projekt-Blog (www.accordeonistan.com) wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Er hatte beim Ashura-Fest Iraner kennen gelernt und diese hatten ihm den Laden eines Freundes empfohlen.

Leider stellte sich die Adress-Angabe als unauffindbar heraus – zumindest für uns als Reisende. Letztlich sprachen uns zwei iranische Mädchen an und fragten, ob sie uns helfen könnten. Adrien bat sie, mit seinem Freund am Telefon zu sprechen und sie taten ihm den Gefallen. Dann meinten sie, sie würden uns hinbringen. Schwupps saßen wir auf der Rückbank eines Autos und es ging los. Weit war es zwar nicht, dennoch musste die Fahrerin mitten auf einer befahrenen Straße einen U-Turn iranischen Stils hinlegen: soll heißen, Lenkrad nach links reißen und los. Die Straße war allerdings nicht breit genug, sodass das Rangieren begann. In diesem Augenblick hatte die Beifahrerin die Idee, dass sie unbedingt ein Foto von uns bräuchte und holte ihr Handy heraus.

Symptomatisch für die Generation Selfie erstarrten wir und bleckten unsere Zähne der Linse entgegen. Alle – inklusive der Fahrerin.

Einziges Problem: Wir waren noch immer inmitten unseres Wendeversuchs. Das fiel uns jedoch erst auf, als die Autofahrer auf beiden Seiten der Straße ein empörtes Hupkonzert anstimmten. Oops.

Also beendete die Fahrerin den U-Turn, während Adrien und ich in schallendes Gelächter ausbrachen, das noch Stunden später hochbrandete, wenn wir uns an diese Szene erinnerten. Das Komischste daran war, dass keiner von uns auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht hatte, was wir da taten. Die Generation Selfie ist auf Lächeln konditioniert. Bemerkenswert, wie weit dies reicht.

In einem persischen Computerladen braucht man in etwa so viel Geduld wie in der Notaufnahme eines Klinikums am Wochenende. Drei Stunden später verließen wir den Laden wieder. Ich selbst, der meinen Computer ebenso hätte reparieren lassen, wäre dies erfolgversprechend gewesen, noch dazu ohne jeglichen Erfolg.

Iranische Kinder beim Spiel

Iranische Kinder beim Spiel

Draußen blies ein eisiger Wind und wir sahen zu, dass wir zurück in die Stadt kamen. Dort besuchten wir Peshman und seine Frau – zwei weitere Freunde, die Adrien beim Ashura-Fest kennen gelernt hatte. Beide arbeiteten als Kunsthandwerker und verzierten in mühevoller Kleinstarbeit Silberschalen mit einem Hammer und den zugehörigen Werkzeugen. Es bedarf unerschöpflicher Geduld, all diese winzigen Figuren, Schriftzüge und Ornamente in eine solche Schale zu hämmern. Als wir danach in einem der Silberläden zu Gast waren, wo Peshmans Arbeiten verkauft wurden, fragte ich mich dennoch, wer dergleichen kaufte. Es steckt unermessliche Arbeit in diesen Stücken, gewiss, kaufen jedoch würde ich sie nie und nimmer – völlig unabhängig davon, dass eine solche Silberschale an die zweieinhalb Tausend Euro kostet.

Kunsthandwerk in Esfahan: Silber

Kunsthandwerk in Esfahan: Silber

Was ich an Adrien bewunderte, war seine Engelsgeduld im Umgang mit Menschen, die kein Englisch sprachen. Er war zwar bereits seit einem Monat im Iran und sein Farsi umfasste ein paar Worte mehr als meins, dennoch legte eine Ausdauer an den Tag, was diese Konversationen anging, die mir gänzlich abgeht. Solche Gespräche erschöpfen mich und lassen mich völlig erschlagen zurück. Selbst auf die Gefahr hin, unhöflich zu wirken, vermeide ich es, sie in die Länge zu ziehen – nicht so jedoch Adrien, dessen Mimik und die einzelnen Wortfetzen, die er den Gesprächspartnern darbot, für allgemeine Heiterkeit sorgten. Beinahe beneidete ich ihn um dieses Talent, dann aber dachte ich mir, dass ich es womöglich nicht anders wollte. Ich habe irgendwann im Laufe der Jahre gelernt, Dinge zu meiden, die mich unverhältnismäßig viel Energie kosten und derlei Kommunikationsversuche über einen längeren Zeitraum fallen darunter.

Junge beobachtet aufmerksam die Ashura-Zeremonien

Junge beobachtet aufmerksam die Ashura-Zeremonien

Elyseo in der Masjed-e Jameh

Elyseo in der Masjed-e Jameh

Meinen letzten Abend in Esfahan verbrachte ich im Amir-Kabir-Hostel. Immer wieder auf dieser Reise durch Georgien, Armenien und den Iran stellte ich fest, dass diese Länder zwar nicht so untouristisch sein mögen, wie ich es erwartet hatte, dass die Reisenden aber gänzlich anders sind als diejenigen, die mir in Indien begegnet waren. Vielleicht ist das der untouristischste Aspekt, den ich auf einer globalisierten Welt erwarten darf: Reisende, die versuchen, den weniger ausgetretenen Pfaden zu folgen, ganz so wie es diejenigen taten, die vor Jahrzehnten Indien bereisten.

So fand ich mich jedenfalls ohne es recht bemerkt zu haben, bald mit Patrick, einem australischen Studenten der Bildhauerei, in einem inspirierenden Gespräch über Kunst wieder, das die Zeit aufzusaugen schien, ohne dass wir es recht mitbekamen. Ehe wir es uns versahen, war es ein Uhr nachts und Zeit zu schlafen.

Tags darauf wollte ich nämlich weiter: Zunächst mit einem Bus nach Khoor, einem Städtchen in der Dasht-e Kavir-Wüste und von dort in eine Oase namens Garmeh.

Davon allerdings beim nächsten Mal.

Und noch einmal:

Aufruf zum Schluss

Da Facebook und Social-Media im Iran ein kompliziertes Thema sind, bitte ich Dich um Deine Mithilfe bei der Verbreitung meiner Iran-Reiseberichte! Hilf mit dabei, ein Bild jenseits abgedroschener Frasen ala George W. Bush und der Achse des Bösen zu verbreiten!

Einfach Link teilen, Freunde zum Lesen einladen oder was auch immer Du willst!

Vielen Dank sage ich schon mal im Voraus!

5 Gedanken.

  1. Es ist gar nicht schwer: einfach ein Visum beantragen und auf geht’s! Völlig unproblematisch, hier zu reisen. Ich bin vor allem überrascht, wie viele Gruppen von Leuten über 60 hier unterwegs sind. Damit hatte ich nicht gerechnet: Deutschte, Schweizer, Italiener. Der Iran scheint als Reiseziel populärer zu werden. Was mich zudem überrascht, ist die Qualität der Straßen hier: Autobahnen auf deutschem Niveau! Kein Vergleich zu Georgien oder Armenien.

  2. die zwei Bamberger (Carola und Reimund)sind begeistert von Deinen Berichten. Anne hat sie Carola gemailt. Freuen uns mit Dir und wünschen Dir noch noch spannende Tage und Wochen. Wir hoffen, dass wir uns bei Anne mal wieder treffen.

    Gruß
    Carola u. Reimund

    • Hallo Ihr zwei!

      Freut mich zu hören! Ich bin allerdings schon wieder zurück in Köln – sodass die Reiseberichte vorerst einmal zu Ende gehen werden… Aber die nächste Reise kommt bestimmt – und auch ansonsten bin ich ja leidlich aktiv auf dem Blog!
      Auf bald in Nürnberg!
      Elyseo

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