Die Rechargeables

Es war Anfang November 2016 und die Online-Schreibergemeinde stand wie immer zu dieser Jahreszeit unter Strom. Wordcounts flatterten durch den virtuellen Raum, von allen Seiten erfolgten Motivationszurufe oder lautes Klagen. Der NaNoWriMo war wieder da (NationalNovelWritingMonth) – mit seiner Vorgabe 60.000 Wörter in nur einem Monat zu produzieren.

Zufällig stieß ich mit Michaela (@textflash) und Nora (@ElenorAvelle) auf zwei Gleichgesinnte, die diesem selbstauferlegten Produktivitätszwang zumindest skeptisch gegenüberstanden.

Für mich jedenfalls ist das Schreiben nichts, was ich einer solchen Zahlenvorgabe unterwerfen wollte – oder schlichtweg kann. Kreativität – und dazu zählt für mich das Romanschreiben – ist aufs Engste mit einer Sache verbunden: Ruhe. Diese Ruhe muss natürlich nicht äußerlich sein – es ist manchmal der bessere Weg in einem Café zu sitzen, um zu schreiben, wo das gleichmäßige Geschnatter der Umsitzenden den eigenen Gedanken Flügel verleiht – aber innerlich brauche ich sie, kann ohne sie nicht arbeiten oder zumindest nicht gut.

Da ich mich gerade in einer Phase befand, in der mich dazu durchgerungen hatte (anders kann ich es beim besten Willen nicht formulieren), die dringend nötige Pause einzulegen, kam mir Michas Blogpost über den NaNoWahn gerade recht.

Und so wurden denn eines Nachmittags Die Rechargeables geboren.

Wir drei flachsten unter diesem FB-Post herum und Micha kam auf die Idee, das könne man doch illustrieren. Das allerdings konnte nur eine von uns: Nora.

Sie illustrierte also die Idee von uns dreien als Superhelden, die herbeigerufen werden könnten, wenn die Batterien mal wieder leer sind.

Mir gefiel dieser Gedanke, vor allem, da er für mich zugleich Spiegel einer größeren Angelegenheit ist, die mein Herz von Zeit zu Zeit belastet:

Die Dogmatik, mit der eine so wundervolle und vielseitige Tätigkeit wie das Schreiben mir im virtuellen Raum und in der Ratgeber-Literatur oft belegt scheint.

Dabei geht es mir nicht darum, meine Mitschreiber zu verdammen, die mit irrsinnig viel Ehrgeiz am NaNoWriMo teilnehmen oder etwas über die Qualität ihrer Werke auszusagen. Es geht mir ebenso wenig darum zu behaupten, man müsse Techniken nicht kennen, bevor man sie brechen dürfe. Auch behaupte ich nicht, dass man sich nicht an den Schreibtisch setzen könne und anfangen zu schreiben, ja, dass das nicht sogar ein wichtiger Teil davon sei.

Nein. Aber mir geht es darum, dass das Schreiben dennoch mit Muße zu tun hat.

Der Müßiggänger ist ein Abenteurer im Angesicht des Todes, ein Kreuzritter wider das Diktat der Eile, schreibt Pascal Mercier in Nachtzug nach Lissabon.

#DieRechargeables

#DieRechargeables

Dafür seien Die Rechargeables da!

Müßiggänger und Kreuzritter wider die Eile, seien sie diejenigen, die Dir bisweilen sagen:

Mach es mal anders, als der Rest.

Ignorier, was alle sagen und mach Dein Ding.

Oder: lass mal locker!

Loslassen. Die Seele baumeln lassen. Einfach mal NICHTS TUN!

Denn, und darauf vertraue ich – dieses Schreiben, das ist in uns allen. Darauf dürfen wir vertrauen. Es ist unsere natürliche Form uns als denkende menschliche Wesen auszudrücken.

Daran wollen Die Rechargeables Dich gern erinnern:

Hab Vertrauen! Du bist gut, wie Du bist – egal, wie hoch Dein Wortcount klettert! Das wird schon!

Die Rechargeables sind die kleinen Anarchisten, die zu Dir kommen, wenn Dein Alltag zu trist und grau ist und Dir ein Lachen auf die Lippen zaubern. Denn eins ist doch klar: wir alle tun dies, weil wir es lieben. Lasst uns das nie vergessen! Dabei sollen Die Rechargeables uns helfen.

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