Días duros

So, es ist schon drei Wochen her, dass ihr etwas von mir gehört habt, was nicht zuletzt daran liegt, dass die vergangenen Wochen hier nicht unbedingt erfreulich waren.

Heute in einer Woche müssen wir aus unserem Zimmer hier raus und noch immer wissen wir nicht wirklich, wohin mit unseren Sachen und letztlich natürlich auch wohin mit uns selbst.

Dennoch ist es gut, dass wir hier wegkommen – denn die Situation hier in Santeugini empfinden wir beide gerade als alles andere als ideal. Die Stimmung im Haus ist seit Wochen komisch und all meine Versuche herauszufinden, warum eigentlich liefen bis dato ins Leere. Sicher ist jedoch, dass es mir so vorkommt, als ob sich im Moment hier alles nur um Geld dreht – Unkosten, Nebenkosten blablabla…

Das nervt mich selbst ziemlich und all die unerfreulichen Details erspare ich Euch besser, eins jedoch beweist sich in dieser Situation: der sprichwörtliche Geiz der Katalanen.

Insofern, komme, was da wolle, sind Manu und ich froh, wenn wir diese Phase hinter uns lassen und ich verbringe gerade jede Menge Zeit mit Wohnungssuche im Internet. Mal sehen, noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir etwas Geeignetes für uns finden, schließlich soll auch das nur vorübergehend sein, da auch in Spanien in Bälde der Winter naht.

Unser eigentlicher Plan, aufs Land zu ziehen, besteht natürlich fort, und das vergangene Wochenende, das wir erneut in der Sierra de Guara verbracht haben, bestärkt uns darin noch. Die Gegend ist einfach traumhaft schön und wenn wir es geschickt anstellen und ein Grundstück finden, das wir uns leisten können und dort ein Guesthouse oder Ähnliches aufziehen, wird das mit Sicherheit top. Noch dazu ist es so, dass die Gegend erst im Begriff ist, touristisch erschlossen zu werden, das heißt momentan sind die Preise noch im Rahmen, das wird sich allerdings in nicht allzu ferner Zukunft ändern – zumindest könnte ich mir das gut vorstellen, denn derart unberührte Gebiete bleiben selten auf Dauer unberührt. Insofern wäre es natürlich ideal, hier sozusagen vor dem großen Run zu kommen.

Dennoch wird es sicherlich schwierig, dort ohne Auftrag einen Winter zu verbringen und deshalb haben wir uns eher für Küsten- und Stadtnähe entschieden, das macht es vielleicht auch für Euch interessanter, uns mal einen Besuch abzustatten, damit wir dort nicht eingehen wie die ungegossenen Primelchen.

Unsere Suche nach einem geeigneten Platz geht also weiter, allerdings mit einer neuen Homebase…

Seit einer Woche haben wir Besuch vom Vix, einem Freund aus Ansbach, der hier bei uns auf dem Balkon pennt (mehr Möglichkeiten gibt es hier momentan leider nicht und auch das ist nicht wirklich gern gesehen – ein weiterer Grund, weswegen wir lieber eine eigene Wohnung haben wollen, schließlich sollte es begreiflich sein, dass Besuch, der aus Deutschland anreist, wohl kaum nur ein zwei Nächte bleiben wird). Dementsprechend war ich letzte Woche viel in Barcelona unterwegs und wir haben ein wenig Sightseeing gemacht und uns in den verwinkelten Gassen herumgetrieben, in denen ich noch nicht aufgehört habe, mich zu verlaufen…

Am Wochenende zuvor waren wir auf der Fiesta Mayor im Stadtteil Gracia – man mag es kaum glauben, aber aufgrund unserer ungünstigen Wohnlage 30 Kilometer außerhalb der Stadt, das erste Mal überhaupt, dass wir in Barcelona feiern waren.

Die Fiesta ist echt sehenswert. Alle Straßen werden dekoriert und die bestdekorierte Straße gewinnt dann am Ende einen Preis. Die Straßen sind rammelvoll und überall wir bis in die frühen Morgenstunden getanzt, getrunken und gefeiert. Hammer!

Wir hielten uns hauptsächlich an Mojito und Manu war irgendwann so süß betrunken, dass er nur noch Spanisch sprach (wie ich mittlerweile herausgefunden habe, ist daran gut sein Betrunkenheitsgrad abzulesen). Zwar musste ich irgendwann einem aufgebrachten, wenngleich nicht besonders imposanten Spanier erklären, dass wir uns keineswegs über ihn lustig machen wollten und er auch überhaupt nicht zum Lachen sei, bloß weil Manu ihn (wie übrigens auch alle anderen Passanten) mit einem lasziven „Hola chico! Qué tal?“ bedacht hatte, aber ansonsten war das Ganze sehr spaßig. Vor allem als wir bei Daniel und Mona zu Hause ankamen, zwei Deutsche, bei denen wir übernachten konnten, und Manu meinte: „Mi español es muy raro!“ (mein Spanisch ist sehr komisch) hätte ich mich am liebsten weggeschmissen…

Ansonsten war ebenfalls recht amüsant, als wir bestimmt 20 Minuten auf einem Zebrastreifen (oder wie Manu meinte, einem Flamingo-Streifen – ich habe bis heute nicht herausgefunden, warum) tanzten, weil wir von der Plaza, wo die Musik spielte schon weg waren, aber plötzlich lauter coole Songs liefen…

Kam mir ein bisschen vor wie die Beatles auf der Abbey Road…

So, jetzt werde ich mich mal weiter der Wohnungssuche widmen – nächstes Mal schreibe ich Euch dann hoffentlich eine Mail aus unserem neuen Domizil, wo auch immer das sein mag.

Drückt uns auf jeden Fall die Daumen, dass wir einen guten Ort auftun. Auf den Psychostress hier habe ich echt keinen Bock mehr. Menschen sind – möge es glauben, wer will – mehr als nur Kostenfaktoren!

In diesem Sinne grüßt Euch,

Elyseo

Okupa y resiste! (Besetz und widersteh!)

 Santeugini, 24. August 2009

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