Cultrapalooza-Festival in Brühl (21.06.2013). Ein Nachklang

Das kleinste Festival der Welt – als solches bezeichnen die Veranstalter des Cultrapalooza-Festivals ihre Unplugged-Konzertreihe.

Auf die Qualität war dies sicherlich nicht bezogen, denn es war überraschend Großes, was am gestrigen Abend in Brühl geboten war.

Zugegebenermaßen war ich zunächst verblüfft, als ich in dem Städtchen in der Nähe von Köln ankam. Das Festival fand im Gebäude des Arbeiter-Samariter-Bundes statt. Es war also in der Tat kein zweites Woodstock zu erwarten.

Bereits als die erste Band auftrat – die Jungs der Schülerband Oslo aus Hürth, die mit ihrem grungigen Auftritt ein wenig an Nirvana erinnerten und spontan die Herzen des Publikums eroberten – waren meine Bedenken verflogen.

cultra oslo

Das Festival mochte klein sein, aber die Stimmung war gut.

 

Nach Oslo hatte die Zweier-Combo Picknick on the Hill ihren Auftritt.

Mit nichts als zwei Gitarren und einem Hut bewaffnet gaben die beiden Musiker Tim und Tommy aus dem Ruhrpott sanften Singer-Songwriter-Sound zum Besten. Vor allem der Leadsänger bestach durch seine berührende Stimme. Schnell ließ sich das Publikum in eine Welt voller Emotion und Romantik entführen.

Picknick on the Hill taten das Ihre um das Publikum die anstrengende Woche vergessen zu lassen. Ganz dem Gedanken der literarischen Romantik verpflichtet verhieß die Musik eine gefühlvolle Welt jenseits des Alltagstrotts. Kaum einer, dem es gelang, dieser Versuchung zu widerstehen und sich nicht den verheißungsvollen Klängen hinzugeben.

Zwei akustische Gitarren und Gesang – mit diesen einfachen Mitteln erzeugten die beiden eine unwiderstehliche Atmosphäre.

cultra picknick on the hill

 

Es ging nicht weniger niveauvoll weiter.

Als nächstes gaben sich die beiden jungen Musikerinnen Nely & Nora die Ehre. Wiederum mit zwei Acoustic-Gitarren und nichts als ihren umwerfenden Stimmen ausgerüstet gelang es den beiden, eine vollkommen andere Stimmung zu erzeugen.

Mit Klängen von Weltmusik über Acapella-Songs bis hin zu Reggae-Beats erspielten sich Nely & Nora in wenigen Minuten die Herzen der Zuhörer. Gerade bei der Acapella-Nummer, die mit nichts als rhythmischem Trommeln auf der Gitarre unterlegt war, überzog mir unwillkürlich eine Gänsehaut den ganzen Körper. Welch eine Stimmgewalt!

Die französischen Einlagen, die mich spontan an Soha oder Zaz erinnerten, verliehen der Musik eine zusätzliche Würze. Verständlich, dass die Zuschauer die beiden am liebsten nicht mehr von der Bühne gelassen hätten. Ich jedenfalls freue mich auf die erste EP, die bald erscheinen wird.

cultra nely & nora

 

Den Abschluss des Abends bildeten dann Helen Kaiser und das Streichquartett Badz.

Wer glaubt, nach den Steilvorlagen der vorherigen Auftritte hätten Helen und Badz nicht noch einen draufzusetzen vermögen, der irrt!

Wie immer erwartete den Zuhörer bei Badz nicht nur klassische Streicherbeherrschung, sondern pure Instrumenten-Akrobatik.

Da wird die Geige gezupft, das Cello beklopft, der Kontrabass mit Fäusten bearbeitet, dass es eine reine Freude ist. Das alles nicht als Ersatz für professionelle Spielweise, sondern selbstverständlich als Zusatz. Diese Musiker verstehen wahrlich alles aus ihren Instrumenten herauszuholen.

Hinzu kamen Helen Kaisers selbst verfasste Songs und ihre fabelhafte Stimme: mal verrucht, mal mädchenhaft, immer aber raumfüllend.

Ein solches Arrangement, das ist der große Vorteil der Zusammenarbeit zwischen Helen Kaiser und Badz, haben die meisten Zuschauer noch nicht gehört.

cultra helen & badz

Es ist musikalisches Neuland, das da mit jahrhundertealten Instrumenten erkundet wird und es macht Freude, dabei zuhören und –sehen zu dürfen.

Den Ovationen am Ende nach zu urteilen, stand ich mich mit dieser Einschätzung keineswegs allein da.

 

Auf jeden Fall, so viel steht für mich nach dem gestrigen Abend fest, dürfen wir gespannt sein, was uns seitens der Cultrapalooza-Veranstalter noch erwartet!

Um es unzeitgemäß auszudrücken: Prädikat wertvoll!

 
Elyseo da Silva
 
 

Fotos: © by Georg Saridis.

Herzlichen Dank!

Besucht ihn auf www.nachtlachen.de!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Elyseo da Silvas Debüt-Roman: Mosaik der verlorenen Zeit. Zur Website →
Hello. Add your message here.