LisPoeta – Rückschläge (10. Dezember 2016)

Torre de Belém, Lisboa

Torre de Belém, Lissabon

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Leider steckt in diesen alten Volksweisheiten oft viel Wahrheit. War ich vor zwei Monaten noch fassungslos über das Glück, das mir bei meinem Umzug widerfuhr, sitze ich in diesem Augenblick hier und frage mich, auf welche Art und Weise ich Dir darüber schreiben soll, dass meine Mitbewohnerin mich aufgefordert hat, aus der Wohnung, die mir so perfekt erschien, auszuziehen. Wie Dir darüber schreiben, ohne unfair zu sein, weil – zwei Seelen schlagen ach in meiner Brust – ich einerseits verstehe, dass ihr Wunsch nichts mit mir persönlich zu tun hat und ich andererseits trotzdem seit Wochen mit dem Gefühl lebe, mich in dem, was im Augenblick noch immer mein zu Hause ist, nicht mehr willkommen zu fühlen?

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Von Edelmut und einem überfälligen Versuch von Selbstbespiegelung

Ich sende Euch nach drei Wochen mal ein paar herzliche Grüße aus Lisboa.
Portugal ist fantastisch, nun, eigentlich kann ich das gar nicht allgemein beurteilen, da ich die Hauptstadt praktisch noch nicht verlassen habe – aber ich muss sagen, ich bin rundum begeistert. Die Stadt, die Menschen – unglaublich schön. Nach so vielen Jahren, die ich beinahe nur in Spanien verbrachte, bin ich regelrecht angetan von der portugiesischen Mentalität, dieser Edelmut, dieser Ernsthaftigkeit und des womöglich bisweilen ein wenig überkommen anmutenden Ehr- und Moralverständnisses. Ein guter Ort für mich derzeit. Lies weiter

Melodrama oder Warum Floristinnen gern Blumen geschenkt bekämen

 

Meine Zeit im wundervollen Portugal neigt sich so langsam ihrem Ende zu und ich will Euch gerne noch ein wenig teilhaben lassen.
Gestern bin ich von meiner kleinen Rundreise zurückgekehrt – ich habe mir eine Woche Auszeit vom Sprachunterricht genommen und es war erstaunlich zu bemerken, wie viel entspannter ich war, nur weil diese zehn Stunden Unterricht pro Woche wegfielen.
Zunächst fuhr ich Freitag Abend nach Faro, im Süden des Landes, wo ich übers Wochenende abstieg, Bernardo besuchte, einen Freund, den ich zuvor hier in Lisboa kennen gelernt hatte und der mir das Städtchen zeigte. Lies weiter

Spardiktat portugiesischer Vermieterinnen

Nun, da ich bereits über einen Monat hier in Lisboa bin, wird es allerhöchste Zeit, Euch mal einen Gruß zu senden und ein wenig über mein Schreiberleben hier in der Ferne zu plaudern.

Wie ich schon vorhergesehen hatte, war meine erste Woche hier für mich eher anstrengend. Nach den Sommermonaten mit täglichem Unterricht und dreimal wöchentlich Kulturprogramm völlig ausgepowert kam ich nach Lisboa im Wissen, dass auch Diogo hier sein würde, der ja als letzte ordentliche Amtshandlung vor seiner Abreise nach Portugal unserer Freundschaft einen traurigen Schlusspunkt gesetzt hatte. Dementsprechend war mir bereits zu Hause klar gewesen, dass es mir schwer werden, dass ich ihn vermissen und ihn nur allzu gern hier in seiner Heimat treffen würde. Ein ungeahntes Fünkchen Stolz bewahrte mich jedoch davor, einen Versuch zu unternehmen, der abschlägig hätte beschieden sein mögen. Nichtsdestoweniger torkelte ich in einem Zustand zwischen Wehmut und Paranoia durch die Stadt. Lies weiter