Ubi caritas et amor, deus ibi est. (Camino de Santiago I)

Nun will ich doch versuchen, Euch einen Einblick in meine Erlebnisse auf dem Camino de Santiago zu geben, wovor ich mich zugegebenermaßen bereits seit einer geraumen Weile drücke. Immerhin bin ich bereits seit drei Wochen zurück in Cambrils und habe mich noch immer nicht aufraffen können, Euch zu schreiben.

Das liegt letztlich wohl nur partiell an meiner Faulheit, sondern vielmehr an einem Phänomen, das allen Pilgern des Camino de Santiago hinlänglich bekannt, für Außenstehende allerdings nur schwer nachvollziehbar ist: all das, was uns Peregrinos als so selbstverständlich erscheint, all jenes Erleben, das wir alle auf diesem Weg teilen, ist größtenteils sehr schwierig in Worte zu fassen – also zumindest bleibt jenseits der oberflächlichen Beschreibung des „Geschehens“ eine Ebene offen, die schwer vermittelbar ist.

Denn was soll denn schon Besonderes dabei sein, ein paar Hundert Kilometer durchs Land zu laufen und dabei den ein oder anderen Menschen kennen zu lernen? Lies weiter

Castilla y León (Camino de Santiago II)

Schon als ich nach vier Tassen Kaffee und gemeinsamem Frühstück mit Pablo und José Luis am Morgen in Tosantos aufbrach – nicht ohne mir José Luis Telefon­nummer in meinem Pilgerführer notiert zu haben, sollte ich ihn bei Gelegenheit einige Tage als Hospitalero unterstützen wollen – war mir klar, dass es nach drei derart schönen Tagen voller Herzlichkeit und emotionaler Wärme erst mal bergab gehen musste. Ich glaube nicht, dass diese Haltung einem unangebrachten Pessimis­mus geschuldet war, sondern vielmehr dem nüchternen Blick in den Pilgerführer, der verhieß, dass sich in annehmbarer Reichweite keine ähnliche Herberge im Geiste Grañóns befand. Außerdem: wer wüsste das Gefühl echten Glücks noch zu schätzen, wäre jeder Tag auf diesem Camino von gleichbleibender Freude erfüllt?

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Graukalte Tage voller Wärme (Camino de Santiago III)

Spanien erlebte in diesen Tagen also, wie die aufgeregten Medien berichteten, den kältesten Mai seit hundert Jahren – und wir mittendrin. Mein Versuch, dem Husten, den ich seit San Bol mit mir herumtrug, mit homöopathischen Behandlungsmetho­den beizukommen, zeitigte in jener ersten Nacht in Carrión de los Condes keinerlei Erfolg, Lies weiter