LisPoeta – Bezahlsex und Geldraub (01. April 2017)

„Ich bin Escort.“

„Oh. Dann vielen Dank.“

Tags darauf im Online-Chat klicke ich ohne Absicht wieder auf dasselbe Profil.

„Ich weiß, dass Du Escort bist. Aber anscheinend spricht mich Dein Profil an, weil ich schon wieder hier gelandet bin.“

„Hahaha. Danke.“

„Naja, Fakt offenbar.“

„Ich würde mich ja mit Dir treffen. Aber die Umstände erlauben es mir nicht.“

„Die Umstände? Welche Umstände? Klingt irgendwie nicht gut.“ Lies weiter

LisPoeta – Umarme die Armut (04. März 2017)

Sonntagsspaziergang - geht auch ohne Geld

Sonntagsspaziergang – geht auch ohne Geld

Erinnerst Du Dich noch, wie ich vor fünfzehn Jahren gelebt habe? Arbeiten nur, wenn es unumgänglich war, dafür mit der Konsequenz leben, praktisch nichts zu haben außer jeder Menge Zeit? Was für ein großartiger Abschnitt in meinem Leben das war! Wie viele wunderbare Stunden ich damals – vollkommen losgelöst von allen Nöten – in Gesprächen mit meinen Freunden verbracht habe!

Deshalb war ich zunächst gespalten, als ich nach meiner Rückkehr aus Marokko Kassensturz machte (ich weiß, war unheimlich clever von mir, das erst nach meiner Reise zu tun) und feststellte, dass es bis zu meiner ersten Tour im März gelinde gesagt unglaublich knapp wird.

Denn, weshalb sollte ich nicht wieder ohne Geld leben können? War das mehr als eine weitere Herausforderung?

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LisPoeta – Marokko II (08. Februar 2017)

Die marokkanische Fahne

Die marokkanische Fahne

Falls Du Dich fragst, ob ich noch immer aus einer mit wifi ausgerüsteten Höhle im Atlas schreibe, weil wir im Schneesturm gefangen sind, kann ich Dich beruhigen. Auch wenn es eine Zeitlang nicht danach aussah, manövrierte uns unser Fahrer Hassan sicher durch die zugeschneiten Serpentinenstraßen des Atlas. Was war ich froh, als wir endlich wieder ins Flachland kamen, um die letzten Kilometer bis Marrakesch zurückzulegen – vor allem, weil es nicht mehr so eisig kalt war.

In Marrakesch blieben wir nur eine Nacht, da A. und ich uns einig waren, dass uns die Stadt auf die Nerven ging. Unser nächstes Ziel: Essaouira, ein kleiner Ort an der Atlantikküste. Lies weiter

LisPoeta – Winter-Edition (14. Januar 2017)

Wintersonne auf meiner Dachterrasse in Campolide (s.u.)

Wintersonne auf meiner Dachterrasse in Campolide (s.u.)

Ein neues Jahr hat begonnen und mit 2016 ist ein wahrlich aufregendes Jahr für mich zu Ende gegangen. Immer wieder stelle ich fest, dass sich in den vergangenen Jahren meine Wahrnehmung verändert hat. Zum Ende eines jeden Jahres setzt auf breiter Ebene das große Lamento darüber ein, welch furchtbares Jahr das vergangene gewesen sei – und über lange Zeit habe ich das auch selbst stets so empfunden. Unterdessen ist das jedoch anders.

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LisPoeta – Rückschläge (10. Dezember 2016)

Torre de Belém, Lisboa

Torre de Belém, Lissabon

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Leider steckt in diesen alten Volksweisheiten oft viel Wahrheit. War ich vor zwei Monaten noch fassungslos über das Glück, das mir bei meinem Umzug widerfuhr, sitze ich in diesem Augenblick hier und frage mich, auf welche Art und Weise ich Dir darüber schreiben soll, dass meine Mitbewohnerin mich aufgefordert hat, aus der Wohnung, die mir so perfekt erschien, auszuziehen. Wie Dir darüber schreiben, ohne unfair zu sein, weil – zwei Seelen schlagen ach in meiner Brust – ich einerseits verstehe, dass ihr Wunsch nichts mit mir persönlich zu tun hat und ich andererseits trotzdem seit Wochen mit dem Gefühl lebe, mich in dem, was im Augenblick noch immer mein zu Hause ist, nicht mehr willkommen zu fühlen?

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LisPoeta – Erstarrung (12. November 2016)

Zeit, die Sprachlosigkeit zu überwinden, die mich seit der US-Wahl Dienstagnacht erfasst hat. Aber keine Sorge: Ich will Dir keine weitere der unzähligen Analysen liefern, die seit Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten durchs Netz geistern. Vielmehr möchte ich mich selbst aus diesem Zustand der Erstarrung befreien, der mich seither lähmt – und Dich daran teilhaben lassen, wenn Du möchtest.

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LisPoeta – Der Freiheit scharfe Schneide (29. Oktober 2016)

Social Media - Das Leben ist schön

Social Media – Das Leben ist schön

Du kennst das vielleicht – all die glücklichen Menschen, die Tag für Tag die aufregendsten Dinge erleben, die neben ihren Vollzeit-Jobs noch zehn weitere produktive Stunden mit Schreiben verbringen (sei es im Bus, Zug oder auf der Toilette), während sie perfekte Beziehungen führen und zugleich die schönsten Orte der Welt besuchen.

Natürlich lassen sie Dich in ihren Posts auf diversen Social-Media-Kanälen an ihrem nie enden wollenden Glück teilhaben. Nein, Du brauchst es nicht auszusprechen, ich kann Dein Wie naiv bist du eigentlich? auch so hören. Und selbstverständlich ist auch mir klar, dass die Social-Media-Bombardements, denen ich mich alltäglich aussetze (ich formuliere bewusst nicht ausgesetzt bin, denn diese Entscheidung treffe ich ja selbst), nicht die Realität widerspiegeln. Theoretisch.

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LisPoeta – Krach mit Gitarren (22. Oktober 2016)

Reiterstatue auf der Praca da Figueira im Abendlicht

Reiterstatue auf der Praca da Figueira im Abendlicht

Verstohlen fische ich in meiner löchrigen Hosentasche nach einem Taschentuch. Es ist gebraucht, aber das ist mir egal. Mein Blick bleibt eisern auf die beiden Männer mit den E-Gitarren auf der Bühne gerichtet. Kann ich wirklich? frage ich mich. Oder wird es jemand bemerken und mich für einen kunstunverständigen Banausen halten?
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