Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias. Eine Bilanz – Teil 2 (19. August 2014)

Elyseo und Freundinnen in Alfontes, Oktober 2013

Elyseo und Freundinnen in Alfontes, Oktober 2013

Im ersten Teil dieser Bilanz habe ich erzählt, wie es dazu kam, dass ich das Er nüchtert-Projekt nach knapp neun Monaten abbrach.

Im zweiten Teil soll es nun darum gehen, wie ich diese Phase der Abstinenz in der Rückschau beurteile und ob ich glaube, dass sich mein Verhältnis zum Trinken durch die lange Alkohol-Pause verändert hat.

Wenn Du das Projekt nicht mitverfolgt hast, beginne am besten hier.

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Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias. Eine Bilanz – Teil 1 (17. August 2014)

Elyseos erster Gin Tonic nach Er nüchtert. 22.09.2013, Boliqueime, Portugal

Elyseos erster Gin Tonic nach dem Er nüchtert-Projekt. 22.09.2013, Boliqueime, Portugal

Anfang Januar 2013 hatte ich entschieden, ein Jahr lang auf Alkohol zu verzichten. Dafür gab es vielerlei Gründe. Vor allem hatte ich das Gefühl, mein Trinken nicht mehr unter Kontrolle zu haben.

In diesem Interview mit mir selbst möchte ich einen Rückblick wagen, das Projekt zu einem Abschluss bringen und all die Fragen beantworten, die bei meinen Lesern seither offen blieben.

Wenn Du das Projekt nicht mitverfolgt hast, beginne am besten hier. Lies weiter

Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias (02. Juli 2013 – Halbjahres-Edition)

Dienstag, 02. Juli 2013

Als ich vor einem halben Jahr aus einem Bauchgefühl heraus entschied, von einem Tag auf den anderen mit dem Trinken aufzuhören, lag der heutige Tag in weiter Ferne.

Sechs Monate ohne Alkohol? Das erschien mir undenkbar.

Viel hat sich verändert seither.

Immer wieder hatte ich inzwischen geglaubt, ich sei mit der Thematik Alkohol durch. Lies weiter

Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias (21. Juni 2013 – Paria-Edition)

Freitag, 21. Juni 2013

 

„Kannst du keine normalen Worte verwenden?“

Parias? Was soll denn das eigentlich sein, ein Parias?“

„Über die Verwendung des Wortes Paria habe ich mich schon des Öfteren gewundert…“

„Du versteckst dich hinter einer pseudoliterarischen Scheinwelt. Mit dir will ich nichts zu tun haben. Paria!? Das musste ich ja erst mal im Wörterbuch suchen!“

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Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias (08. Juni 2013)

Freitag, 07. Juni 2013

Der Krake Alltag hat mich in seiner Umarmung willkommen geheißen, dabei bin ich noch nicht einmal eine Woche wieder in Köln. War mein Lebensgefühl in Kanada trotz all der Arbeit an meinem Roman geprägt von Leichtigkeit und Unbeschwertheit, so habe ich hier den Eindruck, jede Menge Altlasten aufarbeiten und mich neuen Problemen stellen zu müssen.

Ich weiß nicht, ob die Menge an Aggression und Unaufgearbeitetem, die mir momentan entgegenschlägt, mir nur im Verhältnis zu meiner Selbstwahrnehmung in der Ferne extrem vorkommt oder ob sie schlicht extrem ist.

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Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias (30. Mai 2013)

Donnerstag, 30. Mai 2013

 

Nachdem ich am Freitag meinen Roman vollendet und damit eine Phase wochenlanger geistiger Schwerstarbeit hinter mich gebracht hatte, habe ich in den vergangenen Tagen eine fünftägige Schreibpause eingelegt. Jetzt aber kribbelt es mir in den Fingern und ich will schreiben. Mein eigenes Schreiberdasein ist mir offenbar mehr in Fleisch und Blut übergegangen, als mir bewusst war.

Noch einmal sitze ich hier am Küchentisch meiner Freundin E. in North Vancouver. Mein letzter Tag in Kanada ist angebrochen und die positivste Formulierung, die ich dafür im Augenblick zu finden vermag, ist, dass ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge meiner Rückkehr nach Deutschland entgegensehe.

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Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias (23. April 2013)

Dienstag, 23. April 2013

 

Eben habe ich den Film Smashed gesehen. Darin geht es um eine junge Frau, eine amerikanische Grundschullehrerin, die sich ihrem Alkoholproblem stellt, Hilfe bei den Anonymen Alkoholikern findet. Hauptthema aber sind die Auswirkungen, die das trocken werden auf ihr Leben hat.

Diesen Film kann ich jedem, der sich für die Problematik interessiert, nur wärmstens ans Herz legen.

Für mich war es spannend zu beobachten, wie sehr mich diese Thematik emotional berührt. In vielerlei Hinsicht bot mir dieser Film Identifikationsmöglichkeiten. Im selben Augenblick relativierte sich der Wunsch, nach einem gemütlichen Glas Wein abends auf der Terrasse, den ich noch wenige Stunden zuvor verspürt hatte.

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Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias (18. April 2013)

Donnerstag, 18. April 2013

 

Letzten Freitag hatte ich ein Alkoholiker-Erlebnis wie aus dem Bilderbuch:

Ich war allein in einem Club in Victoria unterwegs. Gleich zu Anfang sprach mich eine Kanadierin mittleren Alters an. Sie war ausgesprochen kommunikativ, was mir sehr gelegen kam, da ich ansonsten niemanden kannte. Nach einer Weile fragte sie mich, ob sie mir einen Drink ausgeben dürfe. Natürlich nahm ich an und bat sie, mir einen Cranberry-Soda mitzubringen (bei uns hieße das vermutlich Cranberry-Schorle).

Ich hatte bereits zuvor einen solchen getrunken, weshalb ich verwundert war, als die Kanadierin mit einem Glas zurückkam, das nur halb so groß war, wie mein vorheriges. Sie hatte mich noch dazu zuvor gefragt, ob ich Lime hinein wolle und ich hatte ja gesagt. Limetten, nicht wahr? Lies weiter

Er nüchtert – Aufzeichnungen aus dem Leben eines Parias (11. April 2013)

Donnerstag, 11. April 2013

 

Es sollte mich nicht überraschen, dass mir die Nüchternheit in der Fremde schwerer fällt, als in meinem geregelten Kölner Alltag. Dort bin ich es immerhin gewohnt, unter der Woche früh aufzustehen und schon aus diesem Grunde nichts zu trinken. Außerdem hat der Unterrichtsalltag den Vorteil, dass ich abschalten kann, sobald ich die Schule verlasse. Mein Soll habe ich in diesem Augenblick sozusagen erfüllt, der Rest ist Zusatzwerk.

 

Schwieriger ist es da schon mit dem selbstauferlegten Soll des Schreiberlings. Wann genau ist beim Schreiben der Punkt erreicht, an dem ich für einen Tag genug getan habe – schließlich ginge immer mehr. Lies weiter