Ana Moura – Konzert in Köln (15. 02. 2013). Ein Nachklang

Am Abend des 15. Februar 2013 gaben sich die portugiesische Fado-Sängerin Ana Moura und ihre Musiker ein Stelldichein in der Kulturkirche Köln Nippes. In stimmungsvoller Umgebung entführte die Künstlerin die Kölner Zuschauer in die Welt des Fado, jener traditionellen portugiesischen Musikrichtung, die sich die musikalische Umsetzung der  Saudade auf die Fahnen geschrieben hat.

Saudade ist eine Eigenheit der portugiesischen Mentalität, auf die die Portugiesen ausgesprochen stolz sind. Ins Deutsche lässt sich dieses Wort nur schwer übertragen, grundsätzlich handelt es sich hierbei um eine Art Weltschmerz, der im Gegensatz zum deutschen Verständnis dieses Begriffes nicht nur in bestimmten Momenten auftritt, sondern vielmehr als Grundlage der portugiesischen Daseinsempfindung und des daraus erwachsenden Selbstverständnisses angesehen wird.

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Entsprechend erwartete ich einen eher melancholisch angehauchten Abend. Ana Moura verstand es durchaus dieses Gefühl zu vermitteln, es war jedoch keineswegs das Einzige.

Die Musikerin präsentierte hauptsächlich Stücke aus ihrem neuen Album „Desfado“, auf dem verschiedene Musikstile vertreten sind und Ana Moura sich einem internationaleren Publikum öffnet. Der Titel ist Programm, Desfado ist ein Wortspiel und verheißt die „Dekonstruktion des Fado“.

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Natürlich sang Ana Moura Fado-Stücke, ihr Spektrum erwies sich indes als sehr viel breiter, reichte bis hin zu jazzigen Nummern (was nicht zuletzt ihrem neuen Produzenten Larry Klein geschuldet ist), zum Teil gar auf Englisch, und lebensfroher nordportugiesischer Folklore, bei der Ana das Publikum zum Mitklatschen aufforderte – eine Bitte, der die Besucher begeistert nachkamen.

In ihrer großartigen Bühnenpräsenz liegt denn auch eine der Stärken Ana Mouras: Die Künstlerin versteht es, das Publikum einzubeziehen. Gerade bei der stark emotional geprägten, bisweilen schwermütigen Musik ist dies von entscheidender Bedeutung. Ana Moura wirkt sympathisch, spricht mit den Deutschen Englisch (wozu sie sich gar vorher noch die Erlaubnis einholt und sich bei der Gelegenheit für ihre fehlenden Deutschkenntnisse entschuldigt), vergisst aber auch den portugiesisch-sprachigen Teil ihrer Zuschauer nicht und schweift mithin für Augenblicke in ihre Muttersprache ab. Ihr charmantes Auftreten ist Teil des Erfolgskonzepts.

Begleitet wird Ana Moura von einer Gruppe exzellenter Musiker, die nicht nur während Anas kurzer Abwesenheit von der Bühne ihr Können unter Beweis stellen. In diesem Falle wurden sie allerdings vom Publikum mit Ovationen regelrecht überschüttet .

Alles in allem pendelt dieser überaus gelungene Konzertabend zwischen zwei Polen: Der Schwermut der portugiesischen Saudade auf der einen und der übersprudelnden Lebenslust der Südeuropäer auf der anderen Seite.

Beides vermag Ana Moura mit ihrer mystisch anmutenden Stimme einzufangen, in beiden Metiers kann sie überzeugen. Sie berührt die Herzen der Zuschauer, bringt sie aber ebenso dazu, enthusiastisch den feurigen Rhythmen der nordportugiesischen Stücke zu folgen. Obschon sparsam in ihren Bewegungen, ist jede ihre Gesten durchdrungen von einer beinahe greifbaren Sinnlichkeit, die der Sinnlichkeit der Musik ein adäquates Äußeres verleiht. Das ehrwürdig-sakrale Ambiente der Kulturkirche in Nippes tut ein Übriges.

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Dieser Abend übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Er erwies sich als Balsam für die winter- und schneegeplagte Seele, stellte gleichsam eine vorübergehende Flucht in die sonnigen Gefilde Portugals dar.

Ein wenig wehmütig war mir da schon zumute, als ich beim Verlassen der Kirche in die graukalte Kölner Winternacht hinaustrat und mir nichts weiter blieb, als mich an den beschaulichen Erinnerungen an einen wundervollen Abend zu wärmen.

Elyseo da Silva

Köln, 16. Februar 2013

Elyseo da Silvas Debüt-Roman: Mosaik der verlorenen Zeit. Zur Website →
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