Achim Graf – Zwei Deutschland. Ein Nachklang

Achim Graf - Journalist und Autor des Buches "Zwei Deutschland".

Achim Graf – Journalist und Autor des Buches „Zwei Deutschland“.

Achim Graf gehört zu der Sorte Menschen, die nicht so schnell aufgibt. Als er sein Buchprojekt Zwei Deutschland in Angriff nahm, schien es allein aufgrund der Zeitdauer, die eine Verlagsveröffentlichung in einem größeren Haus in Anspruch nehmen würde, zunächst nicht realisierbar. Meist vergehen dort  von Manuskript-annahme bis Veröffentlichung ein bis zwei Jahre, eine Unzeit bei einem aktuellen journalistischen Werk.

Das konnte Graf allerdings nicht vom Glauben an sein Projekt abringen. Sein Ansinnen war es, in zwei deutschen Regionen einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und zwar in zweien, wie sie zumindest rein wirtschaftsstatistisch betrachtet unterschiedlicher nicht sein könnten:

Zum einen im Landkreis Eichstätt in Bayern, mit 1,3 Prozent Arbeitslosenquote der bundes-, wenn nicht europaweite Spitzenreiter in Bezug auf Beschäftigung, zum anderen im Landkreis Uckermark in Brandenburg, mit einer Arbeitslosenquote von 15,2 Prozent des Schlusslicht in der nationalen Statistik. Konsequenterweise trägt sein Buch den Titel: Zwei Deutschland. Eine Reise durch Regionen mit viel und wenig Arbeit.

Achim Graf - Zwei DeutschlandWas also tun?

Aufgeben kam für Graf nicht in Frage. Also entschloss er sich, das Projekt und damit zugleich den lang gehegten Traum einer Buchveröffentlichung mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion kurzerhand selbst zu stemmen.

Allem voran waren es zwei Fragen, die den Journalisten bei seiner Recherche umtrieben:

„Macht das Vorhandensein von genügend Jobs eine Gemeinschaft automatisch zu einer guten und die Menschen glücklich? Und ist – andererseits – in einer Gesellschaft ohne ausreichend Arbeit trotzdem ein gelingendes Leben möglich?“

Um diese Fragen beantworten zu können, portraitiert Graf in den beiden Teilen des Buches zunächst die jeweilige Region und lässt dann Bewohner der Landkreise Eichstätt und Uckermark zu Wort kommen. Perspektivische Vielfalt ist dabei durch die Auswahl der unterschiedlichen Gesprächspartner gewährleistet – von Bürgermeister und Wirtschaftsboss über Journalist und Eisverkäuferin bis zu Studentin und arbeitslosem Staplerfahrer kommen in Zwei Deutschland Menschen zu Wort, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Das schlägt sich natürlich auch in den jeweiligen Erfahrungen nieder.

So erfährt der Leser, dass eben auch in einer Boom-Region wie Eichstätt nicht alles gold ist, was glänzt und dass eine Statistik wohl niemals ist, was sie zu sein vorgibt, namentlich objektives Abbild der Wirklichkeit. Im Beispiel Eichstätt sei hier auf die ausufernde Praxis von Zeit- und Leiharbeit verwiesen.

Im Gegenfalle, der Uckermark also, erzeugt die hohe Arbeitslosigkeit neben den nicht wegzuleugnenden Problemen gleichermaßen einen Zuwachs an Solidarität und Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung – beides Effekte, die schwerlich in Statistiken auftauchen dürften.

Illustriert ist das Buch mit Fotografien, die Achim Graf auf seiner Reise durch die beiden Regionen aufnahm.

Boote bei Röpersorf auf dem Unteruckersee, Brandenburg. Foto: Achim Graf

Boote bei Röpersorf auf dem Unteruckersee, Brandenburg. Foto: Achim Graf

Abendstimmung in Eichstätt, Bayern. Foto: Achim Graf

Abendstimmung in Eichstätt, Bayern. Foto: Achim Graf

Es mag nur mir so gehen, aber seit der Lektüre ist die Uckermark für mich eine Region geworden, die ich selbst eines Tages gern bereisen würde. Eichstätt hingegen kenne ich aufgrund meiner Herkunft bereits.

Handwerklich ist dem eigenverlegten „Zwei Deutschland“ die Professionalität des Autors anzumerken. Das Buch lässt sich leicht lesen, ohne deshalb an Pointiertheit einzubüßen, eben so, wie es guter Journalismus leisten sollte. Es lohnt sich also in jedem Falle, einen Blick hineinzuwerfen.

Einzig eine Beantwortung der beiden eingangs genannten Fragen aus Sicht des Autors hätte ich mir gewünscht – womöglich in Form eines abschließenden Resümees. Nichtsdestoweniger ist es natürlich ebenso statthaft, den Leser  eigene Schlüsse ziehen zu lassen, was Graf offenbar vorzieht. So wahrt er zweifelsohne die journalistische Neutralität.

 

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